"Null" Fete in Oggersheim Kohl flieht vor Journalisten


Selten dürfte der 70. Geburtstag eines großen Staatsmanns so unspektakulär begangen worden sein wie der von Helmut Kohl. "Nichts", erklärt Kohls Bürochefin Juliane Weber auf die Frage, was denn am 3. April zu Ehren des Kanzlers der Einheit geschehen wird. "Null", lautet die Antwort von Albin Fleck, CDU-Ortsvorsteher in Ludwigshafen-Oggersheim, Kohls Heimatgemeinde. Und resignierend fügt Fleck hinzu: "Es ist, wie es ist."

Eigentlich hätte alles so schön werden sollen. Am 8. April hatten die pfälzischen Christdemokraten ursprünglich für ihren Helmut Kohl einen Riesenempfang geben wollen. Rund 1000 Gäste waren im Ludwigshafener Pfalzbau erwartet worden. Neben der CDU Ludwigshafen war auch der Landesverband der Union in die Organisation einbezogen. Doch dann kamen die Spendenaffäre und der Konflikt mit der Parteichef Wolfgang Schäuble. Kohl trat vom Ehrenvorsitz zurück, seine Partei stürzte ins Umfragetief. Noch während die Vorbereitungen liefen, blies der Ex-Kanzler die komplette Geburtstagsfete ab. Kein Empfang, keine Reden und vor allem keine Journalisten.

Den Christdemokraten ist derzeit nicht nach Feiern zumute. Auch Heiner Geißler, der nur wenige Wochen älter ist als Kohl, verzichtete auf einen großen Empfang. Zumindest öffnete der langjährige CDU-Generalsekretär aber an seinem 70. Geburtstag Anfang März für ein paar Stunden seine Haustür. Wer gratulieren wollte, war willkommen. Viele hatten gehofft, dass Kohl es ähnlich handhaben würde, sehen sich nun aber enttäuscht. Wie ein Insider berichtet, wurde der Plan, eine kleine halb-öffentliche Feier in Oggersheim zu veranstalten, wieder fallen gelassen. Zu groß war die Furcht vor einem gigantischen Medienaufgebot vor Kohls Haustür.

Dabei war von Anfang an klar, dass ein öffentlicher Auftritt Kohls in seiner Heimat nicht auf Kritik gestoßen wäre. Die pfälzische Parteibasis stand selbst in den heftigsten Stürmen der Spendenaffäre geschlossen zu dem massigen Ex-Vorsitzenden, auch wenn der durch einen Barzuschuss von 100.000 Mark aus schwarzen Kassen den CDU-Kreisverband Ludwigshafen im Dezember in arge Bedrängnis gebracht hatte. Nun wird das Geburtstagskind am kommenden Montag vielleicht gar nicht in seiner Vaterstadt sein. Der Ex-Kanzler, so heißt es, feiere seinen Geburtstag im Ausland.

Wer Kohl pünktlich zum Geburtstag gratulieren möchte, ist daher auf den Postweg angewiesen. Das gilt für Freunde und Gegner gleichermaßen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) will ihm genauso schreiben wie der Ludwigshafener Oberbürgermeister Wolfgang Schulte (SPD) oder die SPD-Bundestagsabgeordnete Doris Barnett, die Kohl 1998 den Wahlkreis abknöpfte. Schulte legt nach eigenem Bekunden noch ein paar Flaschen guten Weins dazu. Ebenso macht es der rheinland-pfälzische CDU-Chef Christoph Böhr.

Die Treuesten von Kohls Getreuen, die Führung der CDU Ludwigshafen, wollen ihm allerdings auf alle Fälle persönlich gratulieren. "Wir wollen einen individuellen Termin vereinbaren", sagt Heinrich Jöckel, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion in Ludwigshafen: "Es wird sich eine Gelegenheit finden lassen."

Guido Rijkhoek



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