Verblasste Popularität Nur 23 Prozent der Deutschen wünschen sich Merkel zurück

Vor einem Jahr schied Angela Merkel aus dem Kanzleramt – und vielen schien es, das Land werde sie noch vermissen. Ein Jahr später sehen drei Viertel der Bürger das allerdings anders.
Merkel bei einer Veranstaltung in Berlin (Juni 2022)

Merkel bei einer Veranstaltung in Berlin (Juni 2022)

Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Lange schien es so, als könnten sich viele Deutsche niemand anderen im Kanzleramt vorstellen als Angela Merkel. 16 Jahre führte sie wechselnde Regierungen – und verpasste nur um wenige Tage die Rekordkanzlerschaft von Helmut Kohl (CDU). Doch obwohl sie erst vor einem Jahr aus dem Amt geschieden ist: Ihr Glanz ist in den Augen der meisten Bürger verblasst.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen jedenfalls wünscht sich Merkel einer Umfrage zufolge nicht als Bundeskanzlerin zurück. 71 Prozent der Befragten wollen die Politikerin nicht zurück im Amt haben, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe ergab. Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) wünscht sich Merkel demnach wieder als Kanzlerin.

Kritik an Russland-Kurs

Selbst im Vergleich zur kriselnden Kanzlerschaft von Nachfolger Olaf Scholz (SPD) schneidet Merkel nicht besonders gut ab. Gerade einmal 43 Prozent der Befragten finden, Merkel wäre aktuell als Regierungschefin besser gewesen als Scholz. 41 Prozent sind ausdrücklich der gegenteiligen Ansicht, 16 Prozent unentschieden.

Merkel war vor etwas mehr als einem Jahr aus dem Amt ausgeschieden, am 8. Dezember 2021. Wenige Wochen später begann Russlands Überfall auf die Ukraine. Seitdem steht Merkels Russlandpolitik öffentlich stark in der Kritik, insbesondere der Bau von Nord Stream 2 und der Verkauf deutscher Gasspeicher an Gazprom. Beide Entscheidungen fallen in ihre Regierungszeit. Hinzu kommt der seit Jahren schleppende Ausbau der erneuerbaren Energien.

Die Umfrage wurde von Civey in einer Onlineumfrage am 24. November 2022 erstellt. Die Stichprobengröße beträgt 5003 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 18. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse liegt bei 2,5 Prozent. Die Fragen lauteten: »Wünschen Sie sich Angela Merkel als Bundeskanzlerin zurück?« und »War Angela Merkel als Bundeskanzlerin besser als der aktuelle Bundeskanzler Olaf Scholz?«

(Hintergründe zur Civey-Methodik lesen Sie hier.)

beb/dpa
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