Besuch im Juni Obama wird endlich ein Berliner

Das Rätseln um die Visite des US-Präsidenten hat ein Ende: Nach SPIEGEL-Informationen kommt Obama im Juni zum Staatsbesuch nach Berlin - zwar nicht am 50. Jahrestag von John F. Kennedys berühmter Rede, aber immerhin eine Woche zuvor.
Barack Obama in Berlin (2008): Nach dem G-8-Gipfel in die Hauptstadt

Barack Obama in Berlin (2008): Nach dem G-8-Gipfel in die Hauptstadt

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

US-Präsident Barack Obama hat sich mit einem offiziellen Staatsbesuch in Berlin lange Zeit gelassen - doch in rund zwei Monaten soll es so weit sein. Das Weiße Haus plant nach derzeitigem Stand eine Visite des amerikanischen Regierungschefs direkt im Anschluss an den G-8-Gipfel in Nordirland, der am 19. und 20. Juni stattfinden wird.

Damit wäre endlich eine Unstimmigkeit im deutsch-amerikanischen Verhältnis ausgeräumt: In Berlin hatte für Verärgerung gesorgt, dass Obama trotz mehrerer persönlicher Einladungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel bislang keine Zeit für eine Visite gefunden hatte. Zwar besuchte er als Präsident im Jahr 2009 Baden-Baden und Kehl im Rahmen eines Nato-Gipfels und machte später auch Station in Weimar, Dresden und bei US-Truppen in Landstuhl - jedoch nicht in Berlin, wo ihm als Kandidat im Wahlkampf 2008 mehr als 200.000 Menschen an der Siegessäule zugejubelt hatten.

Doch die Terminwahl bedeutet auch, dass Obama nicht zum 50. Jahrestag der berühmten Ansprache seines Vorgängers John F. Kennedy ("Ich bin ein Berliner") am 26. Juni anreisen wird. Im Weißen Haus besteht keine Bereitschaft, dafür kurz nach dem Gipfel in Nordirland erneut nach Europa zu reisen. Auch gilt als eher unwahrscheinlich, dass Obama bei seiner Visite eine Rede vor dem Brandenburger Tor halten wird. Dies würde zu viele Erinnerungen an die Kontroverse um den Ort seiner Rede im Jahr 2008 wecken, heißt es. Damals hatte sich Merkel gegen einen Auftritt des US-Präsidentschaftskandidaten vor dem Tor gesträubt. Denkbar ist allerdings, dass Obama an anderer Stelle in Berlin eine Ansprache zu einem ihm besonders wichtigen Thema halten könnte, etwa der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen.

Ebenfalls nicht mehr vorgesehen ist nach derzeitigem Stand ein Besuch des amerikanischen Präsidenten in der EU-Metropole Brüssel. Eigentlich war ein Abstecher dorthin avisiert, auch um die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA aufzuwerten. Doch offensichtlich war den Planern im Weißen Haus ein Besuch in Deutschlands Hauptstadt wichtiger.