Obamas 50. Geburtstag Präsident mit Beulen und Dellen

Kein Geburtstagsgeschenk, nirgends: Der US-Präsident feiert 50 Jahre Barack Obama, doch die Umstände verhageln ihm das Fest. Die Schuldenkrise konnte er nur durch massive Zugeständnisse an die Republikaner abwenden, die Wirtschaft stagniert. Und 2012 sind Wahlen.

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Es hätte eine große Party werden können. Eine echte Show. An diesem Donnerstag feiert Barack Obama seinen 50. Geburtstag. Obama, der vermeintliche Polit-Messias, Aussöhner der Nation und dergleichen mehr. Größer und besser noch als jener 45. Geburtstag des Präsidenten John F. Kennedy hätte das werden können. Der feierte 1962 im Madison Square Garden von New York, 15.000 Menschen waren da - und Marilyn Monroe: "Happy Birthday, Mister President", hauchte sie.

Hätte, wäre, wenn. Obama, 2009 als Hoffnungsträger à la Kennedy gestartet, geht zur Zeit durch sein tiefstes Präsidentental. Im Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze haben ihn die Republikaner in die Ecke gedrückt, liberale Obama-Anhänger sind empört.

Für amerikanische Verhältnisse geradezu kühl die Geburtstagsaktivitäten des Präsidenten: Am Vorabend traf er sich im historischen Aragon Ballroom in seiner Wahlheimat Chicago mit rund 1500 Unterstützern, um zugleich Geld für den Wahlkampf 2012 zu sammeln. Für den Donnerstagnachmittag ist ein Empfang für die engsten Mitarbeiter im Weißen Haus geplant. Und abends will er mit Familie und Freunden feiern.

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Obamas 50. Geburtstag: Happy Birthday, Mr. President
Kein Madison Square Garden. Kein Kennedy. Er sei "ein bisschen grauer" geworden, sagt Obama über sich. Und "ein paar Dellen und Beulen" habe er auch abbekommen.

Nein, Barack Obama hat wirklich keinen guten Lauf. Nur noch rund 40 Prozent der Amerikaner bewerten seine Amtsführung als positiv. Es ist ein Absturz für ihn. Obama wehrt sich gegen die Last der Hoffnungen von einst: Als er in seiner Präsidentschaftskampagne 2008 von "Change" gesprochen habe, sei damit nicht der Wandel schon morgen oder in der nächsten Woche gemeint gewesen. "Es braucht Zeit", sagte er auf seiner Party in Chicago.

Schlechte Wirtschaftsdaten und eine Republikaner-Mehrheit im Abgeordnetenhaus scheinen Obamas Kraft zur Veränderung zu lähmen. Das Wirtschaftswachstum liegt bei nur noch 1,3 Prozent, die Arbeitslosenquote ist auf über neun Prozent gestiegen.

Auf und Ab für Obama

Der Präsident Obama wollte eigentlich ein Brückenbauer sein, er wollte das gespaltene Land nach den aufreibenden Bush-Jahren aussöhnen. Aber plötzlich findet er sich in einem polarisierenden Streit mit den Republikanern wieder. "Hatte Obama Zeit, sich auf die nationale Aussöhnung zu konzentrieren? Natürlich nicht", sagt David Remnick, der jüngst eine Biografie des Präsidenten vorlegte.

Das Jahr 2011 gleicht einem Auf und Ab für Obama. Im Mai konnte er der Nation den Tod Osama bin Ladens verkünden. Unvergessen die Bilder, wie er im Weißen Haus über einen langen roten Teppich den TV-Kameras entgegenschritt und mit festem Blick den Sieg verkündete, der fortan seiner war. Plötzlich war keine Rede mehr vom Präsidenten ohne Mumm. Auf dieser Klaviatur hatten die Republikaner seit Obamas Amtsantritt gespielt.

Nur wenige Monate später aber ein ganz anderes Bild. Wieder war es der rote Teppich im Weißen Haus; diesmal aber musste der Präsident eindringlich an die Parteien im Kongress appellieren, sich endlich auf einen Deal zur Anhebung des Schuldenlimits zu einigen. Seine eigenen Verhandlungen mit Republikaner-Anführer John Boehner waren zuvor ergebnislos geblieben, weil die rechtspopulistische Tea-Party-Bewegung gegen jeden Kompromiss ankämpfte.

Dass es letztlich doch eine Einigung gegeben hat, bewahrt Amerika zwar vor dem finanzpolitischen "Armageddon", wie Obama es formulierte, doch für den Präsidenten ist das alles andere als ein Geburtstagsgeschenk. "Ist das die Einigung, die ich bevorzugt hätte? Nein", gibt er selbst zu. Weit ist er den Republikanern entgegengekommen, hat ein Spardiktat akzeptiert, das auch die Ärmeren in der Gesellschaft trifft - aber hat gleichzeitig keine Steuererhöhungen für die Reichen durchsetzen können.

Die "New York Times" analysiert: "Mit seinem Rechtsruck zur Haushaltsfrage vergrößert Obama den Riss in seiner eigenen Partei." Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman spricht von "politischer Katastrophe" und stellte ernüchtert fest, die Tea-Party-Bewegung habe Amerika als Geisel genommen - und Obama sich erpressen lassen. Kann der Präsident noch Brücken bauen?

Darauf wird es wohl ankommen im Präsidentschaftswahlkampf 2012. Denn nicht nur er selbst, sondern auch die Mehrheit der Amerikaner ist mächtig genervt vom Gerangel in Washington, das das auf Ausgleich bedachte US-Polit-System aus den Angeln zu heben droht. Obamas Chance: Den Republikanern ist es bisher nicht gelungen, eine ausgleichende Person als Obama-Alternative aufzubieten.

"Amerika ist das Land der Vielen, doch es hat immer einen Weg gefunden, zusammen nach vorne zu schauen", pflegt Obama zu sagen. Vielleicht findet auch er einen Weg nach vorne im kommenden Jahr.

insgesamt 5 Beiträge
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Hubert Rudnick, 04.08.2011
1. Happy Birthday
Zitat von sysopKein Geburtstagsgeschenk, nirgends: Der US-Präsident feiert 50 Jahre Barack Obama, doch die Umstände verhageln ihm das Fest. Die Schuldenkrise konnte er nur durch massive Zugeständnisse an die Republikaner abwenden, die Wirtschaft stagniert. Und 2012 sind Wahlen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778360,00.html
Happy Birthday Mr Präsident HR
MaxiScharfenberg 04.08.2011
2. Alles Gute!
Zitat von sysopKein Geburtstagsgeschenk, nirgends: Der US-Präsident feiert 50 Jahre Barack Obama, doch die Umstände verhageln ihm das Fest. Die Schuldenkrise konnte er nur durch massive Zugeständnisse an die Republikaner abwenden, die Wirtschaft stagniert. Und 2012 sind Wahlen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778360,00.html
Alles Gute, Mr. President und bitte keinen neuen Krieg und nicht irgendwo unschuldigen Menschen Bomben für die Freiheit auf die Köpfe werfen! Zuviel verlangt, sicher. maxi
chrimirk 04.08.2011
3. Dieser Mensch kann einem leid tun.
Macht im innen und aussen zerstörten Land ausüben zu müssen, mit verantwortungslosen Mit-Politikern der Gegenseite, zerrissenem Volk (in verängstigt, arm, hoffnungslos, chancenlos.... kontra super-reich, elitär, arrogant, militaristisch, unmoralisch), wenig oder kaum Freunde in der Welt, viele Aussengegner...die Reihe ist lang, ist zum Scheitern verurteilt. Und dabei wollte Herr Obama alles zum Guten wenden. Ich erinnere die vielen, hoffnungsvollen Gesichter in den USA bei seiner Vereidigung. Sehr traurig das alles. Ich jedenfalls wünsche ihm Kraft und Erfolg. Vielleicht...
klaus.heuer 04.08.2011
4. Obamas Zugeständnisse haben ein Amageddon verhindert
Zitat von sysopKein Geburtstagsgeschenk, nirgends: Der US-Präsident feiert 50 Jahre Barack Obama, doch die Umstände verhageln ihm das Fest. Die Schuldenkrise konnte er nur durch massive Zugeständnisse an die Republikaner abwenden, die Wirtschaft stagniert. Und 2012 sind Wahlen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778360,00.html
Wir sollten Alle froh darüber sein, dass Präsident Obama und sein Team eine politische und wirtschaftliche Katastrophe in letzter Minute noch abgewendet hat. Die populistische Tea-Party-Bewegung hätte Amerika bewußt ein Amageddon beschert, wie es der Präsident im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen prophezeit hatte. Sollen die Tea-Party-Anhänger ihre Parties alleine feiern, von Zukunftsentscheidungen in Politik und Wirtschaft sollten sie sich besser heraushalten, von Verantwortungsbewusstsein keine Spur! Präsident Obama ist Vorbild für viele Millionen Menschen, sein fester Wille ist, das Weltgeschehen positiv zu verändern, wenn er nur könnte wie er wollte und Amerika durch Erstarkung der Wirtschaft wieder aus der Krise zu führen. Alle Bestrebungen, Einigkeit mit den politischen Gegnern zum Wohle des Volkes, dessen Fürsprecher er immer war und auch in Zukunft bleiben wird, volksnah, mitfühlend und vorausschauend. Warum gibt es nur so viele Widersacher? G-e-m-e-i-n-s-a-m die Probleme angehen. Nur wenn das Wohl der Gemeinschaft - Familien, Arbeitsplätze, steuerliche Entlastung für den Mittelstand, eine menschenwürdige Alterssicherung und ein f-a-i-r-e-s Geben und Nehmen ist auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft der Motor der Motivation für die Bürger Amerikas. Den Präsidenten trifft keine Schuld. Solange das Guthaben auf den Konten der Reichen wichtiger ist, als die gemeinsame Gestaltung der nahen und ferneren Zukunft für Alle, solange wird sich auch nichts ändern. Wir sollten Alle Präsident Obama unterstützen für eine bessere Welt. Happy Birthday Mr. Präsident!
revan32 04.08.2011
5. Ja daran erinnere ich mich auch noch gut….
Zitat von chrimirkMacht im innen und aussen zerstörten Land ausüben zu müssen, mit verantwortungslosen Mit-Politikern der Gegenseite, zerrissenem Volk (in verängstigt, arm, hoffnungslos, chancenlos.... kontra super-reich, elitär, arrogant, militaristisch, unmoralisch), wenig oder kaum Freunde in der Welt, viele Aussengegner...die Reihe ist lang, ist zum Scheitern verurteilt. Und dabei wollte Herr Obama alles zum Guten wenden. Ich erinnere die vielen, hoffnungsvollen Gesichter in den USA bei seiner Vereidigung. Sehr traurig das alles. Ich jedenfalls wünsche ihm Kraft und Erfolg. Vielleicht...
Ich erinnere mich gut daran und auch gerade wie peinlich mir die ganze Sekten Szenerie war, denn anders als wohl 70% aller Mitmenschen hatte ich mich als Obama die Bühne betrat über diesen Progressiven/ Sozialisten schlau gemacht und so stellte ich auch erstaunt fest das er erstens eben kein Mann der Mitte sondern ein Linker/Progressiver war und zweitens das er mit Sicherheit auch kein Mr. Change sein würde. Dafür war Obama aber ein besonders untätiger Senator dessen einzige "bedeutende" Leistung es war bei der Abstimmung über den Irak Krieg abwesend zu sein. Ah da waren aber ja dann doch noch so einige Dinge die man 2008 über ihn wusste, wie etwa das sein guter Freund und Fahrer ein Spinner war der den 11 September als eine Strafe Gottes sah oder das Obama wehrend seiner Studien Zeit nie eine Arbeit veröffentlichte und als radikaler Linker galt (Kollegen beschrieben ihn unter vorgehaltener Hand als loser.) Ah ja und man wusste auch das Obama in Chicago mit einen Linken Terroristen kontakt pflegte. Man könnte sagen Obama wäre der 2 Jimmy Charter so wie es viele Republikaner und nun auch Demokraten behaupten aber ich denke da tut man selbst Jimmy Charter unrecht den Obama ist schlimmer, er ist einfach nur Obama so wie Bush Jr. eben Bush Jr. war eine Katastrophe ohne gleichen. So aber trotzdem hielt Obama in gewisser Weise dann doch seine Versprechen von Hope und Change. den er gab den USA Change (also den allgemeinen Niedergang) und auch Hope (also die Hoffnung darauf Obama 2012 los zu werden). Nun die Chancen stehen gut das die Hoffnung auf eine Abwahl Obamas in Erfüllung geht, den Schaden den Obama aber sonst anrichtete ist wie der Schaden den Busch Jr. anrichtete wohl irreparabel.
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