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Interne Ermittlungen Oberst der Bundeswehr soll trotz Corona-Infektion zum Dienst gekommen sein

Wegen mutmaßlicher gravierender Verstöße gegen die Corona-Schutzregeln ermittelt die Bundeswehr gegen einen leitenden Offizier. Nach SPIEGEL-Informationen soll der Oberst trotz eines positiven Tests zum Dienst erschienen sein.
aus DER SPIEGEL 13/2021
Generalinspekteur Eberhard Zorn mit Kampfschwimmern der Marine während der Operation »Gazelle« im Niger (März 2019)

Generalinspekteur Eberhard Zorn mit Kampfschwimmern der Marine während der Operation »Gazelle« im Niger (März 2019)

Foto: Matthias Gebauer / DER SPIEGEL

Er soll mehrmals gegen die Corona-Schutzregeln verstoßen und ihm unterstellte Soldaten gefährdet haben: Die Bundeswehr ermittelt nach SPIEGEL-Informationen intern gegen einen leitenden Offizier. Die Vorwürfe richten sich gegen einen Oberst des Einsatzführungskommandos in Potsdam, der dort als Abteilungsleiter die Auslandseinsätze des Eliteverbands Kommando Spezialkräfte (KSK) und anderer Spezialkräfte der Bundeswehr steuert.

Laut Aussagen von Soldaten soll der Oberst zunächst Ende 2020 bei einer Auslandsmission der Marine-Kampfschwimmer im Niger nach einem Corona-Verdacht die Quarantäneregeln missachtet haben. Demnach beorderte der Oberst die Männer der Operation »Gazelle«, die lokale Spezialkräfte ausbilden, trotz eines Infektionsverdachts unter den Soldaten weiter zu Besprechungen in geschlossenen Räumen.

Der Oberst räumte umgehend seinen Posten

Drei Soldaten wurden später positiv auf Corona getestet und von der Luftwaffe nach Deutschland gebracht. Der Oberst, der selbst positiv getestet worden war, soll nach seiner Rückkehr trotz Infektion noch mindestens einmal ins Büro in Potsdam gegangen sein.

Die Bundeswehr leitete nach den ersten Meldungen von Soldaten umgehend interne Ermittlungen ein, der Oberst räumte seinen Posten und nahm sich Urlaub.

Aus: DER SPIEGEL 13/2021

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Für den Offizier könnte der Bruch der Corona-Regeln neben internen Sanktionen auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Im Raum steht der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Die Bundeswehr wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Der Oberst ließ dem SPIEGEL über seinen Anwalt mitteilen, er wolle sich zum Vorgang nicht äußern.

Intern wird der Fall als weiterer Beleg dafür gewertet, dass Dienstvorschriften im Umfeld der weitgehend geheim agierenden Spezialkräfte zu lax gehandhabt werden. Derzeit läuft eine grundlegende Überprüfung des Eliteverbands, da dort rechtsextreme Soldaten über Jahre geduldet wurden und es erhebliche Schlampereien beim Umgang mit Munition gab. Die Einheit, so jedenfalls sagt es Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), ist deswegen »auf Bewährung«.

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