Studie über Integration So leben Migranten in Deutschland

Welche Chancen haben Migrantenkinder in der Schule? Wie weit kommen sie auf dem Arbeitsmarkt? Die OECD und die EU haben Daten aus mehreren Staaten verglichen. In den meisten Punkten schneidet Deutschland schlecht ab.
Bessan und Wasim aus Syrien im Unterricht: Bei der Lesekompetenz holen Migrantenkinder auf

Bessan und Wasim aus Syrien im Unterricht: Bei der Lesekompetenz holen Migrantenkinder auf

Foto: Carsten Rehder/ picture alliance / dpa

Der Bundestag diskutiert an diesem Donnerstag über eine Verschärfung des Asylrechts. Doch wie steht es wirklich um die Integration von Einwanderern in Deutschland? Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der EU-Kommission könnte Aufschluss geben.

Der Titel der Untersuchung: "Indikatoren von Zuwanderung 2015". Ein überraschendes Ergebnis: Einwanderer konnten in Deutschland immer besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. In anderen Bereichen jedoch besteht noch großer Aufholbedarf.

Untersucht wurden Daten zur Bildung, Gesundheit, zu den Wohnverhältnissen sowie zur Einkommens- und Arbeitsmarktsituation von Zuwanderern und Zuwandererkindern. Verglichen wurden die Mitglieder der OECD , also nicht nur europäische Länder, sondern etwa auch die USA, Mexiko, Neuseeland oder Israel.

Das sind die zentralen Ergebnisse:

  • Beim Thema Bildung müsste Deutschland laut der Studie mehr für Kinder von Zuwanderern tun: Nur jeder Sechste verfügt über einen Hochschulabschluss oder Meisterbrief, bei den Unter-35-Jährigen ohne Migrationshintergrund ist es hingegen jeder Dritte. Im OECD-Vergleich liegt die Bundesrepublik damit hinten.
  • Bildung trotz schwieriger familiärer Verhältnisse? Für Migrantenkinder sieht es dabei deutlich schlechter aus als für Kinder deutscher Eltern. Nur vier Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind in der Schule leistungsstark, unter denjenigen ohne bringen es immerhin 13 Prozent zu guten Noten. Auch hier fällt die Bundesrepublik im Ländervergleich ab: 13 Prozent der Zuwandererkinder zählen in Europa zu den leistungsstärksten Schülern.
  • Gute schulische Leistungen trotz Migrationshintergrund: Bei der Lesekompetenz lagen Kinder von Einwanderern 2003 noch fast zweieinhalb Jahre hinter ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund. Diese Lücke hatte sich 2012 zu mehr als der Hälfte geschlossen.
  • Wer zwar in Deutschland geboren wurde, aber Kind von Migranten ist, hat Nachteile auf dem Arbeitsmarkt: Der Anteil arbeitsloser Migrantenkinder war 2013 mit 15 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei denjenigen, deren Eltern im Inland geboren sind. OECD-weit war diese Diskrepanz deutlich niedriger.
  • Schlechtere Chancen trotz guter Ausbildung: Selbst wenn Jugendliche mit Migrationshintergrund einen höheren Bildungsabschluss erreichen, finden sie nur schwierig einen Job. Die Beschäftigungsquote von Migrantenkindern mit Hochschulabschluss liegt sieben Prozentpunkte unter der von denjenigen ohne Migrationshintergrund. Bei den Niedrigqualifizierten gibt es hingegen keine Differenz. Zu demselben Ergebnis war im vergangenen Jahr bereits der zehnte Regierungsbericht über die "Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" gekommen.
  • Daraus folgt laut OECD-Studie: 28 Prozent aller hoch qualifizierten erwerbstätigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind überqualifiziert für ihre Jobs.
  • Vor allem im öffentlichen Sektor sind Jugendliche mit Migrationshintergrund stark unterrepräsentiert: EU-weit arbeitet dort jeder Fünfte, in Deutschland sind es gerade einmal sieben Prozent. Das ist laut der Studie besonders kritisch, da dieser Bereich in anderen Ländern als starker Motor für Integration funktioniert.
  • Wohlstand oder Armut? In Europa besitzen Migranten viel seltener ihre Wohnungen oder Häuser als Nicht-Migranten. In Deutschland ist diese Differenz im OECD-Vergleich am geringsten.

Zu einer etwas optimistischeren Einschätzung war Anfang Juni der Brüsseler Thinktank "Migration Policy Group" gelangt. Demnach verzeichnet Deutschland immerhin einige Erfolge in der Integrationspolitik. So war die Bundesrepublik in die Top Ten der besten Integrationsländer aufgestiegen und erreichte von 100 möglichen Punkten 61.

Europas tödliche Grenzen
Foto: Carlos Spottorno/DER SPIEGEL

Spanien-Marokko, Griechenland-Türkei, Ungarn-Serbien: Orte entlang dieser drei Grenzen zeigen, mit welch rabiaten Methoden sich Europa gegen Arme und Schutzsuchende abschottet. SPIEGEL-Reporter Maximilian Popp und Fotograf Carlos Spottorno reisten zu Schutzzäunen und in Auffanglager, sie begleiteten Patrouillen auf See und trafen Flüchtlinge, die alles riskieren für eine Zukunft in Europa.

vek
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