Österreich Gemeinde will Flüchtlinge aufnehmen - und darf es nicht

Der österreichische Ort Mittelberg im Kleinwalsertal stellt Unterkünfte für Flüchtlinge bereit. Doch es gibt ein Problem: Der Weg in die Kleinstadt führt nur über Deutschland. Eine Einreise der Asylbewerber über Bayern wäre illegal.

Kleinwalsertal an der deutsch-österreichischen Grenze: Zugang nur aus Deutschland
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Kleinwalsertal an der deutsch-österreichischen Grenze: Zugang nur aus Deutschland


Seit Monaten will die Gemeinde Mittelberg im österreichischen Kleinwalsertal 20 Flüchtlingen ein Zuhause geben. Doch für Asylbewerber ist der Ort legal nicht erreichbar. Denn alle Wege ins Tal führen über deutsche Straßen. Da sie damit aus einem sicheren Drittstaat nach Deutschland einreisen würden, wären sie nach dem Asylrecht illegal im Land. Die bayerische Polizei müsste sie deshalb auf dem Weg nach Mittelberg festnehmen. "Auch im schweren Krankheitsfall oder für Behördengänge müssten die Flüchtlinge nach Deutschland. Das wäre nicht rechtens", klagt Bürgermeister Andi Haid.

Nur eine mehrstündige Bergwanderung über österreichischen Boden würde die Asylbewerber legal in die 5000-Einwohner-Gemeinde führen. Doch spätestens bei Behördengängen würde erneut das Transportproblem auftauchen.

Die Hilfsbereitschaft im Ort wird dennoch gebraucht. Denn laut Behördenangaben sind die Unterkünfte für Flüchtlinge in Österreich knapp. Im September sollen nun zwei Familien aus Syrien und dem Libanon in dem Ferienort unterkommen. Sie sind bereits als Flüchtlinge anerkannt und dürfen sich deshalb EU-weit frei bewegen. Und auch in der Asylbewerberfrage hat Bürgermeister Haid noch Hoffnung: "Es wird an einer politischen Lösung gearbeitet."

asc/dpa



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