Personalnot schlimmer als gedacht Offenbar fast die Hälfte der Schulabgänger nicht für Bundeswehr geeignet

Der Personalmangel ist bei der Bundeswehr offenbar größer als bisher bekannt. Interne Papiere des Verteidigungsministeriums zeigen: Viele Schulabgänger taugen nicht für den Militärdienst, mehr Bewerber müssen her.
Ein Soldat der Bundeswehr im Norden Malis

Ein Soldat der Bundeswehr im Norden Malis

Foto: Michael Kappeler / dpa

Die Bundeswehr hat zu wenig Soldaten, und die Truppe ist überaltert, sie braucht Nachwuchs. Doch diesen für sich zu gewinnen, dürfte in Zukunft noch schwieriger werden, als bislang bekannt. Wie "Bild am Sonntag" ("BamS") unter Berufung auf interne Papiere des Verteidigungsministeriums berichtet, rechnet die Bundeswehr damit, dass 2020 von 760.000 Schulabgängern nur die Hälfte für die Armee geeignet ist. Der Rest habe entweder keinen deutschen Pass, bringe nicht die nötige sportliche Fitness mit oder lehne das Militär grundsätzlich ab.

Von den übrig bleibenden jungen Menschen müsste sich unter dem Strich jeder Vierte bei der Armee bewerben, damit diese ihren Bedarf decken kann.

Tatsächlich sind schon jetzt viele Dienststellen unbesetzt. Bei der Bundeswehr gibt es laut "BamS" rund 25.000 offene Stellen.

Auf das Personalproblem will an diesem Dienstag auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), in seinem Jahresbericht hinweisen. "Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt, ohne Konzept, wie man ansonsten den Personalbedarf deckt", sagte er der "BamS".

Von der Leyen will Italiener, Polen und Rumänen anwerben

Um die Personalnot bei der Bundeswehr zu lindern, hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) jüngst den Vorschlag gemacht, EU-Ausländer anzuwerben. Aus einem vertraulichen Ministeriumskonzept geht hervor, dass von der Leyen vor allem Polen, Italiener und Rumänen für ihre Truppe anwerben will. Könnte man bei zumindest zehn Prozent dieser Gruppe Interesse an der Bundewehr wecken, skizziert das Papier, wären dies mehr als 50.000 mögliche neue Bewerber für die Truppe.

Von der Leyen plant seit mehreren Jahren, die Bundeswehr für EU-Ausländer zu öffnen. Ihr Vorhaben hatte die CDU-Politikerin bereits 2016 im sogenannten Weißbuch festgeschrieben, einer Art Regierungsfahrplan für die deutsche Sicherheitspolitik. Seitdem überlegt ihr Ministerium, wie man die Idee in die Wirklichkeit umsetzen kann.

Seit dem Wegfall der Wehrpflicht musste die Bundeswehr in den Kampf um Schulabgänger auf dem freien Markt einsteigen; die Umstellung fällt schwer, zuletzt hat sie deshalb auch massiv in Werbung investiert.

Die umstrittene Kampagne zeigt offenbar Erfolge, noch nie gab es so viele minderjährige Rekruten. Seit 2011 hat sich die Zahl der Minderjährigen bei der Bundeswehr verdreifacht. Laut Verteidigungsministerium waren im vergangenen Jahr Dutzende Rekruten auch nach ihrer Probezeit noch nicht volljährig.

hej