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Offshore-Windparks: Baustellen auf See

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Offshore-Baustellen Halbfertige Windräder bedrohen Nordsee-Schifffahrt

Der Bau von Offshore-Windparks in der Nordsee stockt, bisher sind nur gewaltige Fundamente für Windmühlen in den Meeresboden gerammt worden. Jetzt warnt eine Bundesbehörde: Durch die Stahlmasten droht die Gefahr einer Havarie - sie könnten Schiffe unter Umständen wie Dosenöffner aufschlitzen.

Berlin - Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie warnt vor der wachsenden Zahl halbfertiger Offshore-Windparks in der Nordsee. Die nur provisorisch gesicherten Baustellen auf hoher See bedeuteten eine konkrete Gefahr für den Schiffsverkehr, sagte der Leiter des Referats Ordnung des Meeres, Christian Dahlke, SPIEGEL ONLINE. "Mein Schreckensszenario ist, dass da mal ein Schiff reinkracht."

Weil sich der Netzanschluss der Windparks auch im vergangenen Jahr immer weiter verzögerte, haben einzelne Betreiber bislang nur gewaltige Fundamente in den Meeresboden rammen lassen. Nach wie vor gibt es nur einen einzigen fertigen Windpark in der Nordsee: das vor zwei Jahren eröffnete Testfeld Alpha Ventus in der Deutschen Bucht.

25 weitere Offshore-Projekte sind genehmigt, ihr Bau wird sich aber zum Teil noch um Jahre verzögern. Für sechs Windparks allerdings wurden bereits die turmhohen Fundamente errichtet. Referatsleiter Dahlke nennt sie "Möwenständer", weil die massiven Stahlstumpen zum Teil nur wenige Meter aus dem Wasser ragen und bisher keinen anderen Zweck erfüllen. Für Schiffe allerdings könnten sie - zumal im Winter - zu tödlichen Fallen werden.

So befindet sich etwa die Baustelle des Windparks Borkum West II in der Nähe einer Schiffsautobahn. Die Verkehrsroute "Terschelling German Bight" wird jährlich von rund 30.000 Schiffen befahren - mehr als jede andere Route in deutschen Hoheitsgewässern. "Und auch Schiffe geraten manchmal ins Driften", so Dahlke.

"Möwenständer" nur provisorisch beleuchtet

Für fertige Windparks haben die Behörden deshalb ein ganzes Bündel von Sicherheitsmaßnahmen geschnürt. Das oberste Prinzip dabei: Im Falle einer Kollision mit einem Schiff darf dessen Haut auf keinen Fall aufgeschlitzt werden. Eher sollten die Windmühlen nachgeben, sie werden deshalb "kollisionsfreundlich" konstruiert. Zudem werden die fertigen Windparks weithin sichtbar beleuchtet sein. Außerdem werden Verkehrssicherungsschiffe - außer in sturmgepeitschter See - vor Ort sein.

Im Fall der nutzlosen "Möwenständer" sieht die Sache aber anders aus. Die Stahlstumpen werden bis auf weiteres nur provisorisch beleuchtet. "Das sind Baustellen mit einer Behelfsbefeuerung. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls natürlich höher als bei einem fertig ausgerüsteten Windpark", sagt der Bundesamt-Fachmann. Die scharfkantigen Abschlüsse der Windmühlenfundamente könnten Schiffe unter Umständen wie Dosenöffner aufschlitzen.

Die Bundesregierung hatte Ende 2012 eine neue Haftungsregelung für den Netzanschluss von Offshore-Windparks beschlossen, um den daniederliegenden Ausbau zu beschleunigen. Ob und wann das Gesetz seine Wirkung entfaltet, ist noch völlig unklar.

Geplante und im Bau befindliche Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht

Geplante und im Bau befindliche Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht

Foto: DER SPIEGEL
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