Ohrfeige vom FDP-Ehrenvorsitzenden Lambsdorff vergleicht Möllemann mit Selbstmordattentäter

Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff hat seinem Noch-Parteikollegen Möllemann eine schallende Ohrfeige verpasst. Nach Etiketten wie "Quartalsirrer" (Solms), "intrigantes Schwein" (Adam-Schwaetzer) und der Frage "ist der normal?" (Lambsdorff) bekam Möllemann nun das Prädikat "Selbstmordattentäter" verliehen.




FDP-Urgestein: Otto Graf Lambsdorff
DPA

FDP-Urgestein: Otto Graf Lambsdorff

Berlin - "Wenn der Vergleich nicht so bizarr wäre, dann müsste man sagen, er hat sich benommen wie ein Selbstmordattentäter. Er hat sich mit allem, was es so an Möglichkeiten gibt, selbst politisch in die Luft gesprengt", sagte Lambsdorff im Deutschlandfunk.

Lambsdorff hatte sich erst kürzlich im Magazin "Stern" drastisch über Möllemann geäußert: "Man fragt sich manchmal: Ist der Mann bei all seiner Begabung, bei all seinem politischem Geschick, ist der normal?"

Auch andere FDP-Größen hatten sich in der Vergangenheit despektierlich über ihren Parteifreund Möllemann geäußert: Der frühere FDP-Fraktionschef Hermann-Otto Solms hatte Möllemann bereits das Etikett "Quartalsirrer" aufgedrückt. Und Irmgard Adam-Schwaetzer hatte ihn einst als "intrigantes Schwein" beschimpft, weil Möllemann ihren Aufstieg zur Außenministerin verhinderte.

Zum weiteren Vorgehen bei der Aufklärung der Spenden für das umstrittene israel-kritische Wahlkampf-Flugblatt Möllemanns sagte Lambsdorff, Möllemann werde die Namen der Spender nennen müssen. Dies sei bei der geltenden Rechtslage unvermeidlich. "Er wird auch damit nicht warten können, bis er aus Gran Canaria zurückkommt, wo er ja im übrigen ganz fröhlich umherfährt."

Für die Liberalen habe das Ausscheiden Möllemanns zwei Seiten, sagte Lambsdorff weiter. "Sicherlich verlieren wir ein politisches Talent, wir verlieren einen erfolgreichen Wahlkämpfer. Aber wir ersparen uns auch jemanden, der alles das wieder einreißt, was er vorher aufgebaut hat." Das Flugblatt Möllemanns habe zum schlechten Ergebnis der FDP bei der Bundestagswahl beigetragen und dadurch vielleicht auch einen Regierungswechsel in Deutschland verhindert. Die FDP werde auch ohne Möllemann bestehen können. Über einen Parteiausschluss Möllemanns wollte sich Lambsdorff nicht äußern.

Er glaube nicht, dass Möllemann eine eigene Partei gründen könne, sagte Lambsdorff. "Das können Sie vergessen. Alle solche Neugründungen sind nach kurzer Zeit gescheitert." Jürgen Möllemann sei viel zu erfahren, um so etwas zu versuchen.

Der FDP-Ehrenvorsitzende sagte weiter, die FDP befinde sich nicht in einer Krise, "aber sie muss selbstverständlich um ihre Position kämpfen". Bei den kommenden Landtagswahlen werde die FDP in Hessen um den Erhalt der Regierungsbeteiligung und in Niedersachsen um den Wiedereinzug in den Landtag kämpfen. Im Übrigen werde die Partei sicher überlegen, ob sie weiter das Image einer "Spaßpartei" pflegen wolle.

Möllemann war als Landesvorstand und Fraktionsvorstand der FDP in Nordrhein-Westfalen zurückgetreten, nachdem seine Partei enthüllt hatte, dass das von Möllemann verbreitete Flugblatt durch rechtswidrige Spenden finanziert worden ist. Die FDP hat angekündigt, Möllemann notfalls mit einer Klage zur Nennung der Namen der Spender zwingen zu wollen.



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