Oktoberfest-Attentat Nach 30 Jahren neue Ermittlungen gefordert

Kann die These vom Einzeltäter gehalten werden, oder gab es doch Hintermänner? Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Ermittlungen zu dem verheerenden Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest nach drei Jahrzehnten wieder aufgenommen werden.


Politiker und Juristen wollen die Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980 wieder aufnehmen lassen. Nach SPIEGEL-Informationen soll dabei die bis heute diskutierte Frage geklärt werden, ob der Attentäter, der Geologiestudent Gundolf Köhler, allein gehandelt hat oder ob es doch Hintermänner für den blutigen Anschlag gab.

Der dramatische Vorfall auf dem Münchner Volksfest gilt als einer der schwersten Terrorakte im Nachkriegsdeutschland. Dabei starben 13 Menschen, insgesamt 219 wurden zum Teil schwer verletzt, etliche litten anschließend unter schweren Behinderungen.

Für das Attentat hatte der Täter eine selbst gebaute Rohrbombe in einem Papierkorb nahe dem Haupteingang platziert. Den Ermittlungen zufolge handelte es sich dabei um eine Mörsergranate, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt und zur Tarnung in einen Feuerlöscher gelegt worden war. Der verbliebene Freiraum in dem Feuerlöscher war mit Nägeln und Schrauben gefüllt worden, die bei der Explosion als Geschosse durch die Gegend flogen und dadurch die zerstörerische Kraft der Bombe verstärkten.

Über die Frage, ob Köhler die Tat wirklich allein und ohne Hilfe von Mittätern geplant und durchgeführt hat, wird seit der Einstellung der offiziellen Ermittlungen 1982 heftig gestritten. Immer wieder hatte es Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Dritter gegeben. Seitens der Behörden ist der Fall aber nie wieder aufgenommen worden. Die letzten Beweismittel, darunter Teile der Bombe, wurden bereits 1997 vernichtet.

Forderungen, die Ermittlungen zum Tathergang und dessen Hintergründen müssten wieder aufgenommen werden, kommen unter anderem vom SPD-Rechtsexperten Peter Danckert: "Ich lasse nicht locker, bis das Ermittlungsverfahren wieder aufgenommen wird." Der Münchner Anwalt Werner Dietrich will das Verfahren im Auftrag von Opfern wiederbeleben. Und auch der Grüne Hans-Christian Ströbele sieht Klärungsbedarf.

Unterdessen beschreiben neue Dokumente aus einem Nachlass in Süddeutschland den Hauptzeugen für den Anschlag als ehemals aktiven Rechtsextremisten und als möglichen Spitzel des Verfassungsschutzes. Die Theorie, dass der zwischenzeitlich verstorbene Augenzeuge nur zufällig am Tatort war, wird damit in Frage gestellt.

mak



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