"Als ob sich keiner traut" Scholz erklärt Kandidatur mit fehlenden Bewerbungen aus SPD-Spitze

Erst hatte er abgewinkt, jetzt will Olaf Scholz doch SPD-Vorsitzender werden. In einem Interview begründet er dies mit der mangelnden Bereitschaft anderer prominenter Genossen. Eine Co-Kandidatin will er bald präsentieren.
Olaf Scholz: "Es tut der SPD nicht gut, wenn es so rüberkommt, als ob sich keiner traut"

Olaf Scholz: "Es tut der SPD nicht gut, wenn es so rüberkommt, als ob sich keiner traut"

Foto: ANNEGRET HILSE/ REUTERS

Olaf Scholz hat erstmals darüber geredet, warum er nun doch für den SPD-Vorsitz kandidiert, obwohl er das lange ausgeschlossen hatte. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte der Bundesfinanzminister, dass die mangelnde Bereitschaft anderer prominenter Genossinnen und Genossen ihn dazu bewogen habe. Ihn habe die Frage bewegt, warum aus der Spitze der Partei niemand antrete. "Es tut der SPD nicht gut, wenn es so rüberkommt, als ob sich keiner traut."

Am Freitag war bekannt geworden, dass Scholz für den Parteivorsitz kandidiert. Zuerst hatte der SPIEGEL darüber berichtet. Demnach teilte er seine Bereitschaft den drei kommissarischen Parteichefs Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel bereits am Montag in einer Telefonschalte mit. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL PLUS ).

Das war eine Überraschung, weil Scholz noch im Juni nach Rücktritt seiner Vertrauten Andrea Nahles erklärte, aus zeitlichen Gründen nicht für den Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen. Seine Kehrtwende begründete er der BamS gegenüber so: "Aus Verantwortung für die SPD habe ich damals gesagt, dass ich den Parteivorsitz nicht anstrebe. Nun sind einige Wochen ins Land gegangen. Viele von denen, die ich gern an der Spitze gesehen hätte, kandidieren nicht. Das kann ich nicht ignorieren."

Lesen Sie hier, was die Kandidatur für die SPD bedeutet

Scholz sieht Frauen in der Politik benachteiligt

Scholz ist noch auf der Suche nach einer Co-Kandidatin, die sich mit ihm gemeinsam um den Vorsitz bewirbt. Nach Information der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" will er seine Partnerin "in der zweiten Wochenhälfte" kommender Woche präsentieren.

Diese Co-Kandidatin soll mit Scholz auf Augenhöhe antreten. Sie solle "natürlich nicht" nur die Frau an seiner Seite sein, sagte er der BamS. Scholz beklagte in dem Interview auch mangelnde Gleichberechtigung in der Politik: "Frauen haben es in der Politik immer noch schwerer. Sie begegnen Vorurteilen, denen wir Männer seltener begegnen. Eine Politikerin, die energisch ihre Position vertritt, ist machtgierig, ein Mann durchsetzungsstark. Das müssen wir schleunigst ändern." Außerdem hält er am Anspruch der SPD fest, den Kanzler stellen zu wollen: "Man muss mit geradem Rücken auf den Platz gehen, und man muss gewinnen wollen".

Wäre Olaf Scholz gut für SPD? Ein Streitgespräch im Video:

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Bislang haben neben Olaf Scholz die Duos Gesine Schwan/Ralf Stegner, Simone Lange/Alexander Ahrens, Boris Pistorius/Petra Köpping, Michael Roth/Christina Kampmann sowie Karl Lauterbach/Nina Scheer ihre Kandidatur angekündigt. Zudem wollen sich der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, und der frühere Bundestagsabgeordnete Hans Wallow als Einzelkandidaten bewerben.

SPD-Verfahren für den Parteivorsitz

Die formal nötige Unterstützung aus der Partei für eine offizielle Bewerbung haben sich bisher Roth/Kampmann und Lauterbach/Scheer gesichert. Anderen Kandidaten fehlt die nötige Unterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband noch.

Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil kritisiert das Auswahlverfahren für den Parteivorsitz. Der Auswahlprozess dauere "zu lange, aber so ist es nun einmal in den Gremien beschlossen worden", moniert Weil im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks, das am Sonntag ausgestrahlt wird.

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