SPON-Umfrage Hälfte der SPD-Anhänger lehnt Scholz als Parteichef ab

Soll Olaf Scholz SPD-Vorsitzender werden? Eine SPON-Umfrage zeigt: Es gibt große Vorbehalte gegen die Kandidatur des Vizekanzlers - auch bei Sympathisanten der Sozialdemokraten.

Olaf Scholz während einer Debatte im Bundestag (Archiv): Seine Kandidatur als SPD-Chef löst auch bei Anhängern der Sozialdemokraten nur wenig Begeisterung aus
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Olaf Scholz während einer Debatte im Bundestag (Archiv): Seine Kandidatur als SPD-Chef löst auch bei Anhängern der Sozialdemokraten nur wenig Begeisterung aus

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"Ich bin bereit anzutreten." Keine Frage, Olaf Scholz hat das Kandidatenrennen um den SPD-Vorsitz aufgemischt. Endlich tritt ein Schwergewicht an, sagen die einen. Wo bleibt da die Erneuerung, fragen die anderen.

Der Vizekanzler und Finanzminister selbst erklärte am Wochenende beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung, Umfragen und Gespräche mit Bürgern vermittelten ihm oft den Eindruck, dass er ein großes Ansehen in der Bevölkerung habe - "und wenn ich der SPD damit nutzen kann, dann ist das, glaube ich, etwas sehr Wichtiges".

Wir wollten genauer wissen, was die Menschen von Scholz' Kandidatur halten. Das Meinungsforschungsinstitut Civey fragte für SPIEGEL ONLINE die Wähler: "Sollte Olaf Scholz Ihrer Meinung nach SPD-Parteivorsitzender werden?"

Das Resultat der Erhebung ist für den Sozialdemokraten ernüchternd: Nur etwas mehr als 22 Prozent antworteten auf die Frage mit "ja, auf jeden Fall" oder "eher ja". Mehr als die Hälfte wollen Scholz "auf keinen Fall" oder "eher" nicht als SPD-Chef sehen (Stichprobenfehler: 2,5 Prozent).

Der Blick auf die Anhänger der eigenen Partei fällt erst recht enttäuschend aus für den früheren Hamburger Bürgermeister. Nur rund 33 Prozent der SPD-Wähler befürworten ihn als Nahles-Nachfolger ("ja, auf jeden Fall" und "eher ja"). Aber selbst unter den Sympathisanten der Genossen hält die Hälfte nichts davon, dass er der neue Parteivorsitzende wird.

Deutlich größer noch ist die Abneigung bei den Anhängern von Grünen, Linken und der AfD.

Scholz' Kandidatur ist auch deshalb umstritten, weil er noch im Juni erklärt hatte, dass er aus zeitlichen Gründen nicht für den Posten zur Verfügung stehe. Nun aber gebe es eine neue Lage: Es tue der SPD "nicht gut, wenn es so rüberkommt, als ob sich keiner traut", sagte er (lesen Sie hier, wie es zur Bewerbung von Scholz kam).

Auch vor dem Hintergrund dieses Sinneswandels fragte Civey für SPIEGEL ONLINE: "Wird es der SPD Ihrer Meinung nach eher nutzen oder schaden, dass Olaf Scholz für den SPD-Parteivorsitz kandidieren möchte?"

Auch hier fallen die Ergebnisse für Scholz mäßig aus. Zwar sehen rund 23 Prozent in der Kandidatur einen Nutzen für die SPD, aber mehr als 45 Prozent glauben, dass sie der Partei "eher schaden" oder "eindeutig schaden" wird (Stichprobenfehler: 2,5 Prozent).

Unter den SPD-Anhängern sind 38,5 Prozent positiv eingestellt - aber fast 33 Prozent von ihnen befürchten in der Scholz-Bewerbung einen Schaden für ihre Partei. Noch viel schlechter fällt das Urteil der Linken-Anhänger aus: Von ihnen sehen fast 70 Prozent in der Scholz-Bewerbung negative Auswirkungen für die SPD.

Bislang haben neben Olaf Scholz die Duos Gesine Schwan/Ralf Stegner, Simone Lange/Alexander Ahrens, Boris Pistorius/Petra Köpping, Michael Roth/Christina Kampmann sowie Karl Lauterbach/Nina Scheer ihre Kandidatur angekündigt. Zudem wollen sich der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, und der frühere Bundestagsabgeordnete Hans Wallow als Einzelkandidaten bewerben.



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insgesamt 90 Beiträge
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dirkcoe 19.08.2019
1. Olaf Scholz
ist ganz sicher ein guter Mann, aber er steht nicht für den Aufbruch, den die SPD jetzt dringend braucht. Und ohne grundlegend neue Aufstellung wird die Partei nicht aus dem Tief kommen.
egoest 19.08.2019
2. Begeisterung auf der falschen Seite
Dass sich gerade in CDU und FDP soviele Scholz-Fans finden, zeigt genau das Problem von Scholz.
wasistlosnix 19.08.2019
3. Ok
Das deckt sich mit meinem Denken, 50% der SPD Mitglieder wollen ihn nicht. Damit wäre es besser er tritt erst gar nicht an. Die SPD will wieder linker werden, sowie die CDU wieder konservativer. Die Wahlen werden in der Mitte gewonnen wenn man die Mitte groß genug macht. An den Rändern gibt es für eine Partei nichts mehr zu gewinnen, außer Achtungserfolge. Rechts tummeln sich die Union, die FDP und die AFD und Links die SPD, die Grünen und die Linken. Das reicht für jeden Flügel für max. 60% abzüglich der Splitterparteien für 50 - 55%.
claus7447 19.08.2019
4. Scholz hat keine Chance ...
... zu stark verbunden mit dem "alten". Stegner auch nicht. Warum nicht ein Lauterbach? Wir werden sehen - aber wenn es nach der Mehrheit der Mitglieder geht, gibt es im 1. Qu 2020 Neuwahlen - was hat die SPD denn zu verlieren - soll doch die CDU mal Minderheitsregierung machen - oder sich mit den Grünen mal zusammensetzen - wäre schön!
Hörbört 19.08.2019
5. Erwartungsgemäß
Scholz fuhr bei den parteiinternen Wahlen stets miserable Ergebnisse ein. Warum sollte sich das geändert haben? Seine Entourage weiß natürlich um diesen Makel, weshalb sie schon verlauten ließen, dass er "in der Bevölkerung" sehr beliebt sei. Man argumentiert hier also über Bande und wirft ein angebliches Gewicht in die Waagschale, was mit der eigentlichen Partei-DNA nichts zu tun hat. Denn ginge es nach Beliebtheit "da draußen", könnten die SPD-Mitglieder ja auch Angela Merkel oder Roberto Blanco zum Parteichef küren.
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