Gespräche mit der Altbundeskanzlerin Scholz holt sich regelmäßig Rat von Merkel

Es ist ein Dialog über Parteigrenzen – und auf höchster Ebene: Bundeskanzler Olaf Scholz hat erklärt, dass er sich weiterhin regelmäßig mit seiner Vorgängerin bespricht. Aber eben nicht nur mit ihr.
Scholz mit Handy: Textet der Bundeskanzler mit seiner Vorgängerin?

Scholz mit Handy: Textet der Bundeskanzler mit seiner Vorgängerin?

Foto: Kay Nietfeld / picture alliance/dpa

Manchmal ist keine Antwort doch eine. Ein lakonisches »joah, genau« war vor einiger Zeit die Replik der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Aussage von SPIEGEL-Autor Alexander Osang, dass sie ja wohl über Gespräche mit ihrem Nachfolger Olaf Scholz nicht reden wolle. Man saß zusammen auf der Bühne des Berliner Ensembles, wo Merkel ein Buch mit wichtigen Redetexten vorstellen wollte – und über die Zeit nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft plaudern. Lachen im Publikum, Thema erledigt.

Nun hat Scholz seinerseits immerhin zugegeben, dass er sich in der Tat regelmäßig mit Merkel bespricht, offenbar bis heute, und sich dabei auch Rat von seiner Amtsvorgängerin holt. Doch bei den Details blieb auch der aktuelle Kanzler vage. Beide würden einander lange kennen und hätten immer gut zusammengearbeitet, obwohl sie in unterschiedlichen Parteien sind, so Scholz am Freitagabend bei einer Veranstaltung  des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) in Leipzig. »Und das geschieht auch weiter so.«

Öffentlich äußert sich Merkel de facto nicht zu aktuellen politischen Fragen. Es gilt als politische Gepflogenheit, dass sich frühere Amtsinhaber aus dem aktuellen politischen Tagesgeschäft weitgehend heraushalten. Bei der bereits erwähnten Buchvorstellung hatte die Altbundeskanzlerin etwa erklärt, nach 16 Jahren Dienst ihre Freiheit genießen zu wollen. »Ich habe mich nie vor Verantwortung gedrückt«. Aber jetzt müsse sie sich doch nicht dazu äußern, »ob das 9-Euro-Ticket eine gute Idee ist«, so Merkel.

»Das war echt ein netter Abend«

Er berate sich neben Merkel auch mit vielen anderen Menschen, erklärte ihr Nachfolger Scholz nun – »weit über die Regierungsparteien hinaus«. Sein Befinden knapp ein Jahr nach dem Amtsantritt sei überschattet vom Ukrainekrieg und den Folgen für Deutschland, räumte der SPD-Politiker ein. »Natürlich ist mein Gemütszustand sehr geprägt von diesem furchtbaren Krieg, der in Europa stattfindet. Denn das ist ja das, was uns umtreiben muss: Der Imperialismus ist wieder zurück in Europa.«

Zur Stimmung innerhalb der Ampelkoalition sagte Scholz: »Wir hatten gerade einen Koalitionsausschuss, wo wir gar keine Themen hatten, sondern einfach nur mal nett miteinander geredet haben, und das war echt ein netter Abend.«

Bei der RND-Veranstaltung widersprach Scholz übrigens auch der These des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer, dass das Kanzleramt eine »Todeszone« sei. »Ich fühle mich nicht einsam.«

chs/AFP
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