SPIEGEL-Umfrage Mehrheit der Deutschen lehnt Reise von Scholz zur WM in Katar ab

Sollte Kanzler Scholz zur Fußball-WM nach Katar reisen? Eine klare Mehrheit der Deutschen findet: nein. Im Osten wird jedoch etwas anders auf die Frage geblickt als im Westen.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)

Foto:

Michael Kappeler / dpa

Unvergessen ist die Szene, als Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 beim Torjubel neben Bundespräsident Joachim Gauck von ihrem Sitz aufsprang. Eine feiernde Kanzlerin, Deutschland gewann das Endspiel gegen Argentinien. Merkel machte noch ein Selfie mit Lukas Podolski und ließ sich mit dem Siegerteam in der Kabine fotografieren.

Rio 2014: Kanzlerin und Bundespräsident in Jubellaune

Rio 2014: Kanzlerin und Bundespräsident in Jubellaune

Foto: DPA

Die Kanzlerin konnte bei ihrem Abstecher nach Brasilien sicher Sympathiepunkte gewinnen. Das wird für ihren Nachfolger Olaf Scholz bei der anstehenden WM in Katar allerdings wohl nicht funktionieren.

Eine Mehrheit der Deutschen würde es nicht gut finden, wenn der Kanzler zur Weltmeisterschaft reist. Dies ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL. (Hintergründe zur Civey-Methodik lesen Sie hier.)

Demnach würden zwei Drittel der Bevölkerung eine Reise von Scholz ins WM-Land negativ bewerten (50 Prozent »sehr negativ«, 17 Prozent »eher negativ«). Dagegen würden gerade einmal zwölf Prozent einen Trip des Regierungschefs in den Wüstenstaat als positiv erachten.

Leichte Unterschiede gibt es beim Blick auf Ost und West. In Ostdeutschland fände eine WM-Reise des Kanzlers etwas mehr Anklang – 19 Prozent würden sie hier befürworten. Allerdings lehnt auch in Ostdeutschland eine klare Mehrheit der Befragten (57 Prozent) einen Besuch des Kanzlers in Katar ab.

Der WM-Gastgeber steht vor allem wegen der Menschenrechtslage immer wieder in der Kritik. Seit Vergabe der WM in das Emirat sind laut Berichten Tausende Arbeitsmigranten zu Tode gekommen.

Scholz hat sich jüngst zur Lage in dem Land geäußert. »Als Bundesregierung haben wir uns früh um Fragen von Menschenrechten und Rechten der Arbeiterinnen und Arbeiter gekümmert, die die Stadien gebaut haben. Da haben wir sehr genau hingeschaut und auch Fortschritte gesehen«, sagte Scholz im Interview mit der »Aller-Zeitung«.

»Es hat Fortschritte gegeben, gerade mit Blick auf die Arbeitsbedingungen«, sagte Scholz weiter. »Der Weg ist richtig – aber noch nicht zu Ende. Wir ermutigen, auf diesem Weg weiter voranzukommen, und werden da dranbleiben, auch nach der WM.« Bislang hat sich der Kanzler nicht festgelegt, ob er das Turnier besuchen wird oder nicht.

Die WM in Katar beginnt am 20. November. Erstmals in der Geschichte findet eine Weltmeisterschaft im Winter statt. Das Finale ist für den 18. Dezember vorgesehen.

til
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.