Erste Neujahrsansprache von Olaf Scholz »Wir müssen schneller sein als das Virus«

Zum ersten Mal hält Olaf Scholz die Neujahrsansprache. Der Bundeskanzler ruft darin die Gesellschaft im Kampf gegen Corona zum Zusammenhalt auf. Beim Impfen komme es jetzt auf Tempo an.
Olaf Scholz bei den Aufnahmen für seine erste Neujahrsansprache als Bundeskanzler

Olaf Scholz bei den Aufnahmen für seine erste Neujahrsansprache als Bundeskanzler

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KAY NIETFELD / AFP

Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Gesellschaft zum Zusammenhalt im Kampf gegen die andauernde Coronapandemie und bei der geplanten Erneuerung des Landes aufgerufen. In seiner ersten Neujahrsansprache als Kanzler appellierte der Sozialdemokrat laut vorab verbreitetem Text an die Bürger, angesichts der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante des Virus die Impfangebote zu nutzen.

»Jetzt kommt es auf Tempo an. Wir müssen schneller sein als das Virus«, sagte Scholz demnach. »Tun wir miteinander alles – aber auch wirklich alles – dafür, dass wir Corona im neuen Jahr endlich besiegen können.« Alle Menschen, die bereits zweimal geimpft seien, »bitte ich eindringlich, sich rasch boostern zu lassen«, sagte Scholz.

»Bitte nehmen Sie diese Beschränkungen sehr ernst«

Scholz bat um Verständnis für die in Kraft getretenen deutlichen Beschränkungen, beispielsweise für private Kontakte. Das Virus übertrage sich in der neuen Omikron-Variante noch leichter, sagte er. »Bitte nehmen Sie diese Beschränkungen sehr ernst. Zu Ihrem Schutz, zum Schutz Ihrer Familien. Zum Schutz von uns allen.«

Kritiker der staatlichen Maßnahmen, die sich in den vergangenen Wochen zum Teil stark radikalisiert haben, rief der Kanzler zu einem respektvollen Miteinander auf. Natürlich gebe es gerade zum Thema Corona unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen. »Das ist oft anstrengend. Aber eine starke Gemeinschaft hält Widersprüche aus – wenn wir einander zuhören. Und wenn wir Respekt voreinander haben.«

Der SPD-Politiker sprach von einem Jahr 2021, das alle »sehr gefordert« habe, neben der Pandemie auch wegen der Flutkatastrophe. »Nach der Flut haben wir alle zusammen angepackt. Gemeinsam haben wir geholfen, aufgeräumt und mit dem Wiederaufbau begonnen.« Man könne nicht von einer gespalteten Gesellschaft sprechen. »Das Gegenteil ist richtig! Unser Land steht zusammen. Was ich überall wahrnehme, das ist eine riesige Solidarität, das ist überwältigende Hilfsbereitschaft, das ist ein neues Zusammenrücken und Unterhaken.«

Scholz bedankt sich in seiner Rede bei allen, »die sich tagtäglich für unser Wohl einsetzen«. Das seien Menschen in Krankenhäusern, Pflegestationen, Impfzentren, Arztpraxen, Polizeirevieren und der Bundeswehr.

Die andere große Aufgabe neben Corona sei es, den Grundstein dafür zu legen, dass Deutschland weiter gut vorankomme, sagte Scholz. »Die Zwanzigerjahre werden zu einem Jahrzehnt des Aufbruchs.« Die Bundesregierung wolle den größten Umbau der deutschen Wirtschaft voranbringen. »Wir werden die großen Veränderungen unserer Zeit gemeinsam und miteinander meistern können. Wenn wir als Gemeinschaft zusammenhalten«, betonte Scholz.

Aktuelle Herausforderungen für Europa

Als eine »Frage des Respekts« bezeichnet Scholz in seiner Rede eine ordentliche Bezahlung. Deshalb werde der Mindestlohn auf zwölf Euro erhöht. »Und auch das ist mir wichtig: Jede und jeder muss von den Früchten der eigenen Arbeit auch im Alter ordentlich leben können.«

Die Präsidentschaft der G7 im Jahre 2022 werde Deutschland laut dem Kanzler dazu nutzen, dass der Staatenkreis »zum Vorreiter für klimaneutrales Wirtschaften und eine gerechte Welt« werde.

Auch zum Ukrainekonflikt äußerte Scholz sich. Für die Sicherheit in Europa sei die transatlantische Zusammenarbeit unverzichtbar. »Mit Blick auf die Ukraine stellen sich uns hier aktuell neue Herausforderungen. Die Unverletzlichkeit der Grenzen ist ein hohes Gut – und nicht verhandelbar«, sagte Scholz.

muk/svs/dpa
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