Nach Kritik von Merz Scholz nimmt Merkel in Schutz

Friedrich Merz hat Angela Merkel als führungsschwach und untätig attackiert. Das sei "unangemessen", sagt nun Vizekanzler Olaf Scholz: "Es spricht nicht für jemanden, wenn einfach faktenfrei rumgepöbelt wird."

Olaf Scholz und Angela Merkel: "Man merkt doch, wie die Union wie Mehltau über der Republik liegt", sagt der Vizekanzler
Fabrizio Bensch/ REUTERS

Olaf Scholz und Angela Merkel: "Man merkt doch, wie die Union wie Mehltau über der Republik liegt", sagt der Vizekanzler


Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor der harten Kritik von Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz in Schutz genommen. Der CDU-Politiker hatte das Erscheinungsbild der Bundesregierung als "grottenschlecht" bezeichnet und vor allem Merkel als führungsschwach und untätig attackiert.

Vizekanzler Scholz bezeichnete das in der "Süddeutschen Zeitung" nun als "unangemessen" gegenüber Merkel. "Und es spricht nicht für jemanden, wenn einfach faktenfrei rumgepöbelt wird."

Kurz zuvor war auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) der Kanzlerin zur Seite gesprungen: Es sei sehr offensichtlich, "dass es hier eher darum geht, alte Rechnungen zu begleichen", sagte das beratende Mitglied des CDU-Präsidiums in einem Interview des ZDF. "Ich habe wenig Verständnis dafür." Die Forderung nach einem vorzeitigen Ende von Merkels Amtszeit bezeichnete Günther als "Debatte, die von älteren Männern geführt wird, die vielleicht nicht ihre Karriereziele in ihrem Leben erreicht haben".

Scholz will keine weitere Große Koalition

Scholz wurde in dem Zeitungsinterview auch nach der aktuellen Personaldebatte in der Union gefragt - er wollte sie nicht bewerten. "Wir haben uns sehr gefreut, dass die Union sich nicht ununterbrochen in unsere inneren Angelegenheiten eingemischt hat", sagte er. "Das werden wir mit fairer Münze zurückzahlen."

Mit Blick auf die eigene Partei und den anstehenden Parteitag im Dezember betonte der Kandidat für den SPD-Vorsitz: "In gut vier Wochen ist die Führungsfrage in der SPD geklärt." Im Rennen um den Parteivorsitz sind noch zwei Duos übrig geblieben: die GroKo-Befürworter Olaf Scholz und Klara Geywitz gegen die GroKo-Skeptiker Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken (mehr dazu erfahren Sie hier).

Scholz bejahte die Frage, ob seine Zusage stehe, seine Partei nicht erneut in eine Koalition mit der Union zu führen. "Deutschland braucht eine Regierung ohne CDU und CSU", sagte Scholz. "Man merkt doch, wie die Union wie Mehltau über der Republik liegt." Wenn die SPD zusammenhalte und mit geradem Rücken auf den Platz gehe, "haben wir alle Chancen im Bund".

aar/dpa/AFP

insgesamt 62 Beiträge
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Heliumatmer 31.10.2019
1. Glaubwürdig
Wie glaubwürdig ist das denn, wenn Scholz sich über Merz beschwert, um dann teilweise denselben Schluss mit den selben Worten (Mehltau) zu ziehen? Dann noch als Vorsitzender, das kostet die SPD noch ein paar Punkte, so dass sich seine Aussagen als Träumereien herausstellen werden, was Merkel geschickt ausnützen wird. Da war sie immer gut.
luciusvoldemort 31.10.2019
2. Wer oder was bin ich?
Sicherlich kein Merkel Fan! Aber eins sage ich mir immer wieder, BK Merkel hat uns die ganzen Jahre vernünftig und ruhig durch die verschiedensten Krisen geführt. Man möge mir einen nennen, der es besser gemacht hätte. Hätte, hätte Fahrradkette. Dazu gehört weder ein Merz mit der Bierdeckelsteuererklätung noch ein Koch, beides Mitglieder aus dem Anden Club die im entscheidenden Moment abgetaucht sind, sich in der Wirtschaft gesundgestossen haben, Unternehmen in die Pleite getrieben haben (Koch-Bilfinger). Nun sind die Großmäuler wieder da, wir sollten erst Recht diese Typen nicht vergessen und denen keine weitere Chance geben unser Land noch mehr der Armut auszuliefern. Und was ich an Frau Merkel schätze, ist ihre Bodenständigkeit und das sie meiner Meinung nach nicht korruptist. Von welchen Politikern kann man das schon sagen? Lucius
siegfried_linden 31.10.2019
3. Der Angriff der Transatlantiker
Friedrich Merz und Norbert Röttgen sollte man uns ersparen. Das sind zwar beides beste Feinde von Merkel, nur noch mehr Unterwürfigkeit unter US-Befehlen will eigentlich niemand in Deutschland.
bilabu 31.10.2019
4. Scholz will keine neue Groko
Schon vor der letzten Groko gab es im Vorfeld mehrere sPD-Leute, unter anderem Thomas Oppermann und Sigmar Gabriel, die sich gegen eine neue Groko aussprachen, aus bekannten Gründen. Nachdem man sich nach der letzten Bundestagswahl, trotz des einstimmigen Beschlusses, nicht in eine erneute Groko zu gehen, trotzdem wieder von der cDU einfangen ließ, kann man Scholz hier kein Wort glauben. Amüsant ist, mit welcher Aussage die sPD in den nächsten Bundestagswahlkampf gehen will. Sagt man, wir kommen mit der cDU/cSU nicht mehr zu einer Groko zusammen, ist das mehr als unglaubwürdig. Sagt man, wir koalieren erneut, wenn die Mehrheit es hergibt, wählt diese Partei niemand mehr. Meiner Meinung nach ist das auch egal, wenn sich die Groko tatsächlich bis 2021 durch schleppt, endet die sPD, wie in drei Bundesländern zuvor, in der Einstelligkeit. Mit einem Vorsitzenden Scholz und seiner Partnerin wird es auf dasselbe Ergebnis hinaus laufen.
lathea 31.10.2019
5. Mit Scholz hätte die SPD wohl....
....gute Chancen, wieder in der Wählergunst zu punkten.
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