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"Verrecke" Polizeichef von Oldenburg erhält Morddrohungen nach AfD-Kritik

Polizeipräsident Johann Kühme warnte auf einer Veranstaltung vor Hetze im Internet und kritisierte AfD-Bundestagsabgeordnete. Dann wird er selbst mit dem Tod bedroht. Wie geht er damit um?
aus DER SPIEGEL 3/2020
Oldenburger Polizeipräsident Kühme: "Ich werde meine Haltung nicht ändern"

Oldenburger Polizeipräsident Kühme: "Ich werde meine Haltung nicht ändern"

Foto: Philipp Schmidt/ DER SPIEGEL

Am Anfang war es ein abstraktes Thema für Johann Kühme. Auf einer Veranstaltung berichtete der Polizeipräsident von Oldenburg vor Wochen von Hetze im Netz, von Drohungen und Beschimpfungen, gerichtet gegen Politiker und engagierte Bürger. Kühme nannte Beispiele: "Ihr Politschranzen werdet für dieses Desaster der Islamisierung unseres Landes bezahlen." Und: "Ihr Drecks-Sozis werdet alle am Tag x am Rathaus gehängt werden." Und: "Ich wünsche dir einen langen und qualvollen Tod. Du widerliches Stück Scheiße."

Die meisten der knapp 50 Gäste, die Kühmes Vortrag im niedersächsischen Oyten folgten, waren potenzielle Opfer solcher Anfeindungen: Bürgermeister, Mandatsträger aus Kreistagen und Landesparlament, viele von ihnen ehrenamtlich aktiv. Der Polizeipräsident referierte, wie sprachliche Entgleisungen in Gewalt umschlagen könnten. Er nannte den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und nahm Bezug auf den antisemitischen Attentäter von Halle.

Dann wurde Kühme persönlich. "Ich sage Ihnen ganz offen", so der 61-jährige Spitzenbeamte. "Ich bin entsetzt und schäme mich, wenn Bundestagsabgeordnete der AfD muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger pauschal als Kopftuchmädchen und Messermänner bezeichnen oder die Nazi-Gräueltaten als Vogelschiss in der deutschen Geschichte verharmlosen." Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel und der damalige Parteichef Alexander Gauland hatten sich derart geäußert.

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