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OSS: Terror von rechts

Rechtsextreme "Oldschool Society" Ermittler prüfen Verbindung zu Neonazi-Kameradschaft

Das Netzwerk der rechtsextremen "Oldschool Society" war offenbar größer als zunächst angenommen. Ermittler suchen nun nach Gesinnungsgenossen der mutmaßlichen Terrorgruppe - mehrere Spuren führen nach Nordrhein-Westfalen.

Nach dem Schlag gegen die mutmaßliche Terrorgruppe "Oldschool Society" (OSS) suchen Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) nach weiteren möglichen Mitgliedern und Helfern der rechtsextremistischen Organisation. Mehrere Spuren führen nach SPIEGEL-Informationen dabei nach Nordrhein-Westfalen.

So war der am Mittwochmorgen in Sachsen festgenommene "Vizepräsident" der OSS, Markus W., den Sicherheitsbehörden in NRW seit Langem einschlägig bekannt. Einem vertraulichen BKA-Papier zufolge gehörte der 39-Jährige bis vor wenigen Jahren zum "festen Personengebilde" der "Kameradschaft Aachener Land" (KAL), einer berüchtigten Neonazi-Truppe, die im August 2012 verboten wurde.

"Die KAL", so heißt es in dem BKA-Papier, habe "zu den aktivsten neonazistischen Gruppierungen in Nordrhein-Westfalen" gehört und "aktiv die NPD" unterstützt. Wiederholt seien KAL-Mitglieder auch "mit Gewaltdelikten in Erscheinung getreten".

Nach dem Verbot der Kameradschaft schloss sich der in Düren geborene Markus W. Ermittlern zufolge "spätestens im November 2014" der OSS an und avancierte zu deren Vizechef. In dieser Funktion soll er auch enge Verbindungen zu Olaf O. unterhalten haben, der sich von Bochum aus um die "Öffentlichkeitsarbeit" der obskuren Truppe gekümmert haben soll.

Aktuell wird Markus W., Olaf O. sowie sieben weiteren mutmaßlichen OSS-Angehörigen "die Mitgliedschaft in einer rechtsterroristischen Vereinigung" vorgeworfen: Ziel der Organisation sei es gewesen, "innerhalb Deutschlands in kleineren Gruppierungen Anschläge auf namhafte Salafisten, Moscheen und Asylbewerberunterkünfte zu begehen", erklärte die Bundesanwaltschaft.

Zu diesem Zweck hätten die vier Festgenommenen bereits "Sprengmittel für etwaige terroristische Anschläge" beschafft. Ermittlerkreisen zufolge sei bei den Durchsuchungen am Mittwochmorgen "Pyrotechnik mit erheblicher Sprengkraft" sichergestellt worden.

Auf ihrer Facebook-Seite bezeichnet die OSS sich als "eine Verbindung gleichgesinnter Menschen die, die deutsche Kultur und ihre Werte leben". Fotos auf der Seite zeigen Demonstrationen aus dem rechten Spektrum. Die Gruppe soll spätestens seit November 2014 bestehen. Damals hätten sich neun Rechtsextremisten im sächsischen Frohburg südlich von Leipzig zu einer Gründungsveranstaltung getroffen, heißt es.

Am Mittwochnachmittag ordnete der Bundesgerichtshof nach SPIEGEL-Informationen den Vollzug der Untersuchungshaft gegen den mutmaßlichen Chef der OSS, Andreas H., an.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, möglicherweise sei die Bildung einer Organisation nach dem Vorbild des NSU verhindert worden. Der rechtsextreme "Nationalsozialistische Untergrund" hatte mit einer jahrelang unentdeckten Mordserie Deutschland erschüttert. Der Minister sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung, lobte aber zugleich den "bedeutenden Ermittlungserfolg".