Olympia Lammert protestiert gegen Pressezensur im Deutschen Haus

Chinas Behörden zensieren freie Medien - nicht nur im Olympia-Pressezentrum. Im Deutschen Haus in Peking dürfen keine deutschen Zeitungen ausgelegt werden. Das sei inakzeptabel, wettert Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Brief an das IOC.

Berlin - Im Deutschen Haus in Peking sollen sich deutsche Sportler, Funktionäre und Journalisten wohlfühlen. Es ist, wie immer bei Olympischen Spielen, ein kleines Fleckchen Heimat in der Fremde. "Das wird ganz sicher ein interessanter Treffpunkt für die Olympia-Familie", wirbt offiziell der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, für die Einrichtung, an der neben seiner Organisation auch die Deutsche Sport Marketing beteiligt ist.

Doch möglichweise werden die deutschen Besucher auf einen traditionellen Service der vergangenen zwei Jahrzehnte verzichten müssen - die kostenlose Auslage deutscher Zeitungen. Einem Bericht der "Welt" zufolge wollte der DOSB auch in Peking im "Deutschen Haus" überregionale Zeitungen verteilen - etwa "Welt", "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Täglich sei die Auslage von 300 Exemplaren geplant gewesen, zitierte die Zeitung DOSB-Sprecher Gerd Graus.

Doch die Chinesen gaben nach Angaben des Blattes kein grünes Licht - denn die direkte und unkontrollierte Einfuhr ausländischer Zeitungen und Zeitschriften ist im kommunistischen Einparteienstaat China untersagt. Auch dann, wenn sie - wie im Falle des Deutschen Hauses - gar nicht der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich sind.

Der Fall illustriert einen weiteren Vorgang von Medienzensur in Peking und sorgt kurz vor Beginn der Olympischen Spiele für Ärger. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass im internationalen Medienzentrum bestimmte Internet-Seiten für Journalisten gesperrt sind - darunter die von Menschenrechtsgruppen, BBC und Deutscher Welle.

IOC-Vize Bach soll freie Zeitungsversorgung sicherstellen

Nun hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in den Vorgang eingeschaltet - und fordert in einem Schreiben an DOSB-Präsident Thomas Bach "dringend", die seit 20 Jahren "in allen Olympiastädten übliche Versorgung der deutschen Teilnehmer und ihrer Gäste mit freier Presse sicherzustellen".

In dem Brief an den Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der SPIEGEL ONLINE vorliegt, schreibt Lammert weiter: "Dass die chinesische Führung ihrem eigenen Volk elementare Grundrechte vorenthält, gehört wohl leider zu den von unserer Seite her nicht zu ändernden, beschämenden Schattenseiten dieser Spiele". Aber dass die chinesische Zensur nun versuche, auch den Informationsfluss für deutsche Teilnehmer und ihre Gäste zu kontrollieren, sei "völlig inakzeptabel".

Ein Deutsches Haus, in dem nicht die Meinungs- und Informationsfreiheit der freien Welt gelte, "könnte diesen Namen wohl kaum für sich in Anspruch nehmen", schreibt der CDU-Politiker.

Am Freitag erklärte DOSB-Sprecher Gerd Graus, der sich bereits in Peking aufhält, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Herr Lammert sich nicht nur auf Medienmeldungen aus Deutschland verlassen hätte, sondern sich vor Ort bei uns erkundigt hätte". Denn die Meldungen über das "Deutsche Haus" hätten "hohe Wellen" geschlagen und "entbehren eigentlich jeder Grundlage", so der Sprecher.

Seinen Angaben zufolge handelt es sich bei der Auslage der drei deutschen überregionalen Zeitungen "Welt", "Süddeutsche" und "Frankfurter Allgemeine" um ein technisches Problem. Man wolle vermeiden, dass etwa drei Tage alte Zeitungen ausgeliefert würden. Die Sportler wollten schließlich möglichst zeitnah Berichte lesen. "Unser Bestreben ist es, möglichst aktuelle Zeitungen auszulegen", so Graus. Inzwischen habe man in China einen Ansprechpartner gefunden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen", so Graus.

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