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Markus Feldenkirchen

Winterolympiade in Peking Spiele der Diktatur

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Wann immer Olympische Spiele an Diktaturen vergeben wurden, kam nie etwas Gutes dabei heraus. Es ist Verrat am Sport und an der olympischen Idee.
aus DER SPIEGEL 4/2022
Maskottchen der Winterspiele und Winterparalympics 2022: Berechtigte Angst vor Überwachung

Maskottchen der Winterspiele und Winterparalympics 2022: Berechtigte Angst vor Überwachung

Foto: Song Jiaru; Sipa Asia / dpa

Als Teenager war ich wochenlang nicht ansprechbar, wenn die Olympischen Spiele liefen. Jeden einzelnen Wettbewerb verfolgte ich mit kindlicher Begeisterung. Das ist lange vorbei. Wenn am 4. Februar die Winterspiele in Peking starten, werde ich keinerlei Euphorie mehr empfinden. Nicht weil mein Interesse am Sport erloschen wäre. Sondern weil einfach nichts stimmt bei diesem verlogenen Ereignis.

Wann immer Olympische Spiele an Diktaturen vergeben wurden, kam nie etwas Gutes dabei heraus. Es ist Verrat am Sport und an der olympischen Idee. Das Internationale Olympische Komitee (IOC), das sich angeblich der Völkerverständigung und dem Frieden verpflichtet fühlt, vergibt die Spiele an ein Regime, das sich damit selbst vermarkten kann, während es in Tibet und Xinjiang Teile der Bevölkerung wie Gefangene hält.

Olympia-Funktionäre rechtfertigen sich unter anderem mit dem Hinweis, die Athletinnen und Athleten könnten die Spiele ja dafür nutzen, vor Ort auf Missstände hinzuweisen. Schön wär's. Diese Sportler sind darauf angewiesen, dass ihre vom Regime kontrollierten täglichen PCR-Tests negativ ausfallen, um starten und ihrem Beruf nachgehen zu können. Leichter als mit einem manipulierten Test ließen sich Kritiker noch nie aus dem Verkehr ziehen.

Aus: DER SPIEGEL 4/2022

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Athleten und Betreuer wurden in den vergangenen Wochen über die Situation in China informiert, auch von einem Vertreter des Auswärtigen Amtes. Dieser habe, so berichtete es die »Süddeutsche Zeitung«, sie gewarnt: Die chinesische Regierung wolle sich durch möglichst perfekte Spiele profilieren, öffentliche Kritik sei den Behörden da »nicht willkommen«.

Die Briten und die Niederländer haben ihren Athleten derweil empfohlen, ihre privaten Handys zu Hause zu lassen und stattdessen Wegwerftelefone zu nutzen. Wegen der berechtigten Angst vor Überwachung. »Unter den gegebenen Bedingungen ist es kaum zu verantworten, wenn man uns da einfach rüberschickt«, klagte bereits vor Wochen Wolfgang Maier, Sportvorstand beim Deutschen Skiverband der »Süddeutschen«.

»Ein Statement da drüben zu setzen, würde ich mich nicht trauen«, sagte der Rodler Tobias Arlt, als er im November vom Weltcup in China zurückkam. Zuvor hatte er nach einem falsch positiven Test Tage im Quarantänezimmer verbringen müssen, das auch von Kakerlaken bewohnt wurde.

Das Problem sind nicht Sportler, die unter solchen Bedingungen schweigen, um die Ausübung ihres Berufs nicht zu gefährden. Das Problem ist ein Verband, der die Athletinnen und Athleten derartigen Bedingungen aussetzt. Und deshalb, liebes IOC: Vergebt Olympische Spiele nicht mehr an solche Regime. Oder schafft euch ab!

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