Opec-Anschlag Schindler muss wieder vor Gericht

Für den im Frankfurter Opec-Prozess freigesprochenen Rudolf Schindler ist die Sache noch nicht ausgestanden: Der Generalbundesanwalt hat ihn jetzt beim Berliner Kammergericht angeklagt.


Rudolf Schindler
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Rudolf Schindler

Berlin - Schindler wird "Rädelsführerschaft in der terroristischen Vereinigung Revolutionäre Zellen (RZ)" und ein Sprengstoffanschlag vor 14 Jahren vorgeworfen. In der Anklage vom 28. Januar werde Schindler Mitgliedschaft in der von ihm mitbegründeten "Berliner Zelle" der RZ von 1985 bis 1990 zur Last gelegt, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstag mit. Der inzwischen 58-Jährige habe der Führungsebene der Gesamt-RZ angehört und auch in der "Berliner Zelle" bestimmenden Einfluss ausgeübt.

Schindler werde vorgeworfen, persönlich an drei Anschlägen beteiligt gewesen zu sein, teilte die Behörde weiter mit. Verjährt seien die Schüsse auf den damaligen Leiter der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, am 28. Oktober 1986 und den damaligen Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht, Günter Korbmacher, am 1. September 1987. Beide wurden jeweils an den Beinen verletzt. Zudem habe Schindler gemeinsam mit einem Komplizen am 6. Februar 1987 einen Sprengsatz an der Außenmauer der Zentralen Sozialhilfestelle für Asylbewerber in Berlin-Wedding gezündet. Der Sprengsatz habe die Gasversorgung des Gebäudes treffen sollen, jedoch nur ein Loch in die Mauer gerissen.

Gegen Schindlers Freispruch im Opec-Prozess hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits Revision eingelegt. Das dortige Landgericht hatte eine Beteiligung Schindlers an dem Überfall auf die Wiener Opec-Konferenz 1975 für nicht erwiesen gehalten. Der Hauptangeklagte Hans-Joachim Klein war wegen dreifachen Mordes und Geiselnahme zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Auch gegen dieses Urteil, bei dem das Gericht die Kronzeugenregelung angewendet hatte, hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Die Bundesanwaltschaft erklärte, das Frankfurter Verfahren gegen Schindler stehe der Anklage in Berlin nicht entgegen, weil es sich um unterschiedliche Vorwürfe handele.

Die Revolutionären Zellen hätten sich seit ihrer Gründung zu 186 Anschlägen bekannt, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit. Mindestens 40 dieser Anschläge seien in Berlin oder Umgebung verübt worden und würden der "Berliner Zelle" zugerechnet, die sich aus zwei Gruppierungen zusammengesetzt habe. Die Gruppe um Schindler und die mutmaßliche Terroristin Sabine E. habe sich 1990 aufgelöst, als beide beschlossen hätten, in die Legalität zurückzukehren.

Die "Berliner Zelle" sei auch danach noch aktiv gewesen und habe ihren bislang letzten Anschlag am 3. Oktober 1993 auf Einrichtungen des Bundesgrenzschutzes (BGS) in Frankfurt (Oder) und Görlitz verübt. Der bislang letzte Sprengstoffanschlag einer RZ-Gruppierung sei von der Frauengruppe "Rote Zora" im Juli 1995 auf eine Werft in Bremen verübt worden, teilte die Anklagebehörde mit.



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