Corona-Bekämpfung EU-Kommission will 180 Millionen Impfdosen zusätzlich kaufen

Auf Nummer sicher: Die EU-Kommission will nach SPIEGEL-Informationen die Optionen auf den Kauf der Corona-Impfstoffe von Moderna sowie Biontech und Pfizer ziehen. Die Kosten dürften im Milliardenbereich liegen.
Von Markus Becker, Brüssel
Impfung eines Probanden mit einem Pfizer-Vakzin (im Mai dieses Jahres): EU zieht Optionen für den Kauf zusätzlicher Chargen

Impfung eines Probanden mit einem Pfizer-Vakzin (im Mai dieses Jahres): EU zieht Optionen für den Kauf zusätzlicher Chargen

Foto: AP

Die EU-Staaten sollen mehr Corona-Impfstoffe erhalten als bisher geplant. Wie der SPIEGEL aus EU-Kreisen erfuhr, bereitet die EU-Kommission derzeit vor, die vertraglich vereinbarten Optionen für den Kauf von zusätzlichen 180 Millionen Impfdosen einzulösen. Geplant ist demnach der Kauf von 80 Millionen weiteren Dosen des US-Herstellers Moderna und 100 Millionen der deutschen Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer.

Die EU-Kommission, die für alle EU-Mitgliedsländer gemeinsam die Impfstoffe einkauft, hat bisher mit sechs Herstellern Verträge über die Lieferung von insgesamt 1305 Millionen Dosen mit Optionen auf 660 Millionen weitere abgeschlossen. Moderna sollte ursprünglich 80 Millionen Dosen liefern, Biontech und Pfizer 200 Millionen. Bei ihnen will die Kommission nun die Optionen für den Nachschlag ziehen – wegen der sich abzeichnenden großen Nachfrage, wie es aus EU-Kreisen heißt.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass Sanofi-GSK und AstraZeneca – die mit jeweils 300 Millionen Dosen die größten Mengen liefern sollen – zuletzt Rückschläge bei der Entwicklung ihrer Impfstoffe erlitten haben. Dies hat unter Experten die Befürchtung ausgelöst, dass es in der EU in den kommenden Monaten zu Engpässen kommen könnte.

Mehr als drei Milliarden Euro zusätzlich

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer soll laut unbestätigten Informationen 15,50 Euro pro Dosis kosten, der von Moderna rund 21 Euro. Der Preis für die 180 Millionen zusätzlichen Dosen läge damit bei gut 3,2 Milliarden Euro.

Der Impfstoff von Moderna soll voraussichtlich Mitte Januar in der EU zugelassen werden, der von Biontech und Pfizer sogar schon am 21. Dezember – acht Tage früher als geplant, wie die zuständige Europäische Arzneimittelbehörde EMA am Dienstag ankündigte. Anschließend muss die EU-Kommission noch zustimmen, was allerdings als Formalie gilt, die ausnahmsweise binnen weniger Stunden erfolgen soll.

Damit könnten die EU-Staaten noch vor Heiligabend mit den Impfungen beginnen. Großbritannien, die USA und Kanada haben die Verabreichung des Impfstoffs bereits gestartet, allerdings aufgrund einer Notzulassung. Die EU setzte dagegen auf eine reguläre Zulassung, die länger dauert, aber auch mehr Sicherheit bietet.