Abstimmung im Bundestag Justizministerin Lambrecht lehnt Organspende-Entwurf Spahns ab

Gesundheitsminister Spahn will jeden Bürger zum möglichen Organspender machen, sofern er nicht widerspricht. Nun wird bekannt, dass Justizministerin Lambrecht mit Nein stimmen will.
Justizministerin Christine Lambrecht will sich als einziges Kabinettsmitglied mit Mandat im Parlament gegen die doppelte Widerspruchslösung stellen

Justizministerin Christine Lambrecht will sich als einziges Kabinettsmitglied mit Mandat im Parlament gegen die doppelte Widerspruchslösung stellen

Foto: Michael Kappeler / dpa

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) will bei der Bundestagsabstimmung über die Reform der Organspende offenbar gegen den Entwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stimmen. Das berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine entsprechende Bestätigung des Justizministeriums. Damit sei Lambrecht das einzige Kabinettsmitglied mit Mandat im Parlament, das sich gegen Spahn stellen wolle.

Der Bundestag debattiert am Donnerstag abschließend über zwei Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Organspende. Sie werden jeweils von Abgeordneten quer durch die Fraktionen getragen. In beiden Fällen versprechen sich die Initiatoren eine Erhöhung der Zahl der Organspenden.

Spahn will in seiner Funktion als CDU-Abgeordneter die sogenannte doppelte Widerspruchslösung einführen. Demnach würde jeder, der zu Lebzeiten nicht offiziell widersprochen hat, im Falle eines Hirntods automatisch potenzieller Organspender - es sei denn, die Angehörigen wissen, dass er dies nicht wollte.

Jeder, der zu Lebzeiten nicht offiziell widersprochen hat, soll im Falle eines Hirntods automatisch potenzieller Organspender werden: Gesundheitsminister Jens Spahn will die doppelte Widerspruchslösung einführen

Jeder, der zu Lebzeiten nicht offiziell widersprochen hat, soll im Falle eines Hirntods automatisch potenzieller Organspender werden: Gesundheitsminister Jens Spahn will die doppelte Widerspruchslösung einführen

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Der andere Gesetzentwurf sieht die sogenannte Entscheidungslösung vor. Demnach soll eine Organentnahme - wie bisher - auch künftig nicht ohne ausdrücklich geäußerten Willen des Spenders möglich sein. Allerdings soll die Spendebereitschaft regelmäßig bei Behörden oder beim Arzt erfragt werden.

Das Ziel der beiden Gesetzentwürfe ist, angesichts von knapp 10.000 Schwerkranken auf den Wartelisten, zu mehr Organspenden zu kommen. Beide Vorstöße sehen dafür ein neues zentrales Register vor, in dem Ärzte vor Transplantationen Erklärungen Verstorbener abfragen können.

Hohe generelle Zustimmung zu Organspenden

Laut einer neuen Umfrage zur Zukunft von Organspenden ist die grundsätzliche Zustimmung weiterhin hoch. 84 Prozent der Bundesbürger stehen Organspenden generell eher positiv gegenüber, wie die Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse ergab.

Am höchsten ist die prinzipielle Zustimmung der Umfrage zufolge bei jungen Leuten zwischen 18 und 29 Jahren mit 93 Prozent. Schlusslicht sind demnach die 50- bis 69-Jährigen. Von ihnen sehen aber auch noch 79 Prozent Organspenden eher positiv. Eher negativ eingestellt sind acht Prozent aller Befragten, weitere acht Prozent äußerten sich neutral.

Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge vom 4. bis 16. Dezember 2019 bundesweit 1002 Menschen ab 18 Jahren telefonisch vom Institut Forsa zu verschiedenen Gesundheitsthemen befragt.

Einen ausgefüllten Organspendeausweis haben demnach 40 Prozent der Befragten. Man kann darauf aber nicht nur Zustimmung, sondern auch ein Nein dokumentieren. Einen Ausweis mit angekreuztem Ja haben laut der Umfrage 37 Prozent aller Befragten. Insgesamt zeigen sich ebenfalls Unterschiede je nach Alter. Unter den Jüngeren von 18 bis 29 hat jeder Zweite überhaupt einen Spendeausweis (51 Prozent), ab 70 ist es noch jeder Vierte (25 Prozent). Bei den Altersgruppen dazwischen liegt dieser Anteil zwischen 40 und 45 Prozent.

cop/dpa