SPIEGEL-Umfrage Deutschland bei Neuregelung der Organspende gespalten

Wer nicht widerspricht, soll im Fall eines Hirntods seine Organe spenden: Gesundheitsminister Spahn will das zum Gesetz machen. Die Neuregelung stößt einer Umfrage zufolge auf geteiltes Echo.
Der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen: Gesundheitsminister Spahn (CDU) will per Gesetz mehr Menschen zu Organspendern machen

Der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen: Gesundheitsminister Spahn (CDU) will per Gesetz mehr Menschen zu Organspendern machen

Foto: FrankHoermann/ SVEN SIMON/ picture alliance

Das Vorhaben von CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn ist umstritten: Jeder, der zu Lebzeiten nicht offiziell widerspricht, würde im Falle eines Hirntods potenzieller Organspender - es sei denn, die Angehörigen wissen, dass er dies nicht wollte. Dieses Gesetzesvorhaben wird am morgigen Donnerstag im Bundestag debattiert.

Es könnte ab 2022 in Kraft treten. Ziel des Ministers: die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Denn Deutschland ist bei der Bereitschaft international auf den hinteren Rängen.

Noch ist völlig offen, ob Spahn sich mit seinem Vorhaben durchsetzt oder ein zweiter Entwurf die Mehrheit erhält. Der sieht eine "Entscheidungslösung" vor. Demnach soll eine Organentnahme weiterhin nicht ohne ausdrücklich geäußerten Willen des Spenders möglich sein (mehr zu diesen beiden Optionen lesen Sie hier).

Die Bevölkerung ist gespalten: In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL sprechen sich – unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers – beinahe genauso viele Menschen für Spahns Gesetz aus wie dagegen.

Unter Unionsanhängern unterstützt die Mehrheit der Befragten den Vorstoß des CDU-Ministers. Ähnlich ist es bei den Grünen - obwohl Grünen-Chefin Annalena Baerbock für die "Entscheidungslösung" wirbt. Am größten ist die Zustimmung bei den Linken, auch die FDP-Wähler begrüßen das Spahn-Gesetz. Die SPD-Anhänger sind dagegen unentschlossen. Auf deutliche Ablehnung stößt die Idee bei der AfD.

Wesentlich eindeutiger ist das Ergebnis bei der Frage, ob die Befragten bereit wären, ein Organ für nahestehende Personen zu spenden. 68 Prozent erklären, dies theoretisch tun zu wollen.

Sich generell einen Spendeausweis zuzulegen, können sich dagegen viele Befragte nicht vorstellen. Mehr als 37 Prozent lehnen dies grundsätzlich ab. Für 27 Prozent ist es hingegen denkbar, knapp neun Prozent haben gar keine Meinung dazu.

Die Zahl der Organspender ist im vergangenen Jahr leicht von 955 auf 932 zurückgegangen. Auch bei den gespendeten Organen verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) laut Mitteilung einen Rückgang von 3113 im Jahr 2018 auf nun 2995. Die Zahlen in den Jahren davor lagen jedoch unter denen aus dem vergangenen Jahr. Der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, spricht daher für 2019 auch nur von statistischen Schwankungen und keiner großen Änderung.

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mho
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