Organspende Mehrheit der Abgeordneten stimmt für erweiterte Entscheidungslösung

Der Bundestag hat eine moderate Reform der Organspenderegeln in Deutschland beschlossen. Demnach sollen die Bürger in Zukunft stärker dazu bewegt werden, eine Entscheidung zu treffen.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen): "Das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Einzelnen ist zu achten"

Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen): "Das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Einzelnen ist zu achten"

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ANNEGRET HILSE/ REUTERS

Der Bundestag hat mehrheitlich für eine Neuregelung der Organspende gestimmt. 432 Abgeordnete votierten für den Entwurf einer Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock, nach dem die Menschen in Zukunft stärker zu einer Entscheidung über die Organspendefrage bewegt werden sollen.

Die sogenannte erweiterte Entscheidungslösung sieht vor, dass alle Bürger

  • mindestens alle zehn Jahre beim Abholen eines Ausweises auf das Thema Organspende angesprochen werden.

  • Zudem sollen künftig Hausärzte dafür bezahlt werden, dass sie die Patienten beraten.

Die Menschen werden so öfter als bislang aktiv erinnert, über ihre Haltung zur Organspende nachzudenken - aber auf freiwilliger Basis. Ähnlich wie bei der alternativ vorgeschlagenen Widerspruchslösung ist auch bei der erweiterten Entscheidungslösung ein bundesweites Online-Register vorgesehen, aber eben nach umgekehrtem Prinzip: Als Spender wird nur verzeichnet, wer zugestimmt hat.

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Spender ist weiterhin nur, wer aktiv zustimmt

Zuvor hatten die Abgeordneten die doppelte Widerspruchslösung, eingebracht von Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD), mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Bundestagsdebatte war lebhaft und emotional verlaufen, die Abgeordneten stimmten ohne Fraktionszwang ab.

Schon jetzt gilt in Deutschland die Entscheidungslösung. Demnach dürfen einem Menschen nur dann Organe und Gewebe entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten oder stellvertretend die Angehörigen zugestimmt haben. Dieser Wille sollte am besten im Organspendeausweis festgehalten werden. Darin kann man sowohl die Zustimmung als auch die Ablehnung einer Organspende dokumentieren sowie bestimmen, welche Organe gespendet werden dürfen und welche nicht.

Das Problem in Deutschland ist allerdings, dass im Vergleich zu den europäischen Nachbarn deutlich weniger Menschen spenden. Während in Deutschland auf eine Million Einwohner 11,5 Organspenden kommen, gibt es in Spanien 46,9 Organspender pro eine Million Einwohner. Dort gilt die Widerspruchslösung.

In Deutschland warten derzeit etwa 10.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Die meisten von ihnen brauchen eine neue Niere, andere eine Leber, ein Herz oder ein anderes Organ. Im Jahr 2018 sind 901 Menschen auf der Warteliste gestorben .

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Foto: Daniel Maurer/ dpa

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hei/dpa
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