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Ein Vater über die Organspende seines Sohns Felix starb und rettete vier Leben

Der Bundestag will entscheiden, ob jeder Bürger nach dem Tod Organspender werden soll, wenn er zu Lebzeiten nicht widerspricht. Wie denken Betroffene darüber? Zwei Menschen erzählen.
aus DER SPIEGEL 3/2020
Erinnerungsfotos

Erinnerungsfotos

Foto:

LISA WASSMANN

Am 21. März 2012 um 18.06 Uhr streckt Claudia Krogul Zeige- und Mittelfinger der linken Hand zum Victory-Zeichen. Sie trägt einen weißen Krankenhauskittel, in ihrer Nase steckt ein Sauerstoffschlauch, hinter dem Bett ragen die Apparate der Intensivstation hervor. Ihr Gesicht ist blass. Aber sie lacht.

In der Nacht zuvor haben Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover Claudia Krogul eine neue Lunge eingepflanzt. Mehr als fünf Stunden hat die Operation gedauert, am frühen Abend erwacht sie aus der Narkose. Als ein Arzt etwas später den Tubus aus ihrem Hals zieht, holt sie so tief Luft, wie sie nur kann. "Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, richtig atmen zu können", sagt sie.

Das Foto, das diesen Tag festhält, hängt heute im Flur ihres Hauses im westfälischen Nordkirchen. Es zeigt ihren Sieg über den drohenden Tod durch Ersticken. "Chancen" hat sie mit einem schwarzen Filzstift darüber geschrieben.

Die Transplantation liegt fast acht Jahre zurück, im September hat Claudia Krogul ihren 40. Geburtstag mit einem großen Fest gefeiert. Es gibt Tage, da staunt sie selbst, dass sie noch immer da ist.

Claudia Krogul leidet an Mukoviszidose, einem Gendefekt, der schleichend die Lungen verklebt und über Jahrzehnte als Krankheit von Kindern galt – schon deshalb, weil kaum ein Patient das Erwachsenenalter erreichte.

Als sie drei Jahre alt war, prophezeiten die Ärzte, das Mädchen werde seinen 18. Geburtstag nicht erleben. Nach einer Notoperation rieten sie den Eltern, ihr Kind mit nach Hause zu nehmen und die nächsten Jahre so gut wie möglich zu genießen. Es würde nicht viel Zeit bleiben.

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