"Oskars Welt" SPD veröffentlicht gesammelte Widersprüche von Lafontaine

Bisher wirkte die SPD im Umgang mit Oskar Lafontaine eher ratlos. Nach Beschimpfen und Ignorieren versucht sie es nun mit Entlarven: Fleißige SPD-Mitarbeiter haben die gesammelten Widersprüche des Saarländers aus den Archiven gesucht - und in ein kleines, gemeines Papier verwandelt.

Berlin - "Viel Spaß bei der Lektüre" wünschte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Olaf Scholz seinen Fraktionskollegen, als er ihnen per Rundmail am 20. Juli eine "kleine amüsante Zusammenstellung" von Lafontaine-Zitaten weiterleitete.

Das Papier, so Scholz süffisant, möge als "schöne Erinnerungsstütze" dienen. Es soll jene Zeit wieder ins Gedächtnis rufen, als Lafontaine als SPD-Chef, Minister und Kanzlerkandidat genau die Positionen mit Nachdruck vertrat, die er heute als Linksfraktionschef empört bekämpft.

Das 13-seitige Werk trägt den Titel "Oskars Welt – die doppelte Wirklichkeit des Oskar Lafontaine". Mitarbeiter der SPD-Fraktion und der Parteizentrale haben in den Archiven gewühlt und alte und neue Zitate Lafontaines zu Themen wie Rente, Solidarität, Hartz IV und Auslandseinsätze nebeneinander gestellt.

Oskar Lafontaine (am 1. Mai 2005): Begnadeter Sprücheklopfer

Oskar Lafontaine (am 1. Mai 2005): Begnadeter Sprücheklopfer

Foto: REUTERS


Lafontaine und Linkspartei - klicken Sie hierfür weitere markige Sprüche, die die SPDauf ihrer Liste gesammelt hat...


Nichts ärgert die SPD so sehr wie die Tatsache, dass Lafontaine seinen Übertritt zur Linkspartei als Beweis seiner Prinzipientreue inszeniert - und der SPD den Verrat ihrer Ideale vorwirft. Es lag daher nahe, Lafontaine seine eigenen Positionswechsel nachzuweisen und zu zeigen, "welche Ressentiments da gepflegt werden" (Scholz). Die Idee ist nicht neu, auch SPIEGEL ONLINE waren die Widersprüche des Saarländers schon einmal einen Artikel wert.

Für die SPD ist die Veröffentlichung allerdings ein zweischneidiges Schwert - schließlich weicht sie damit von der bisherigen Parteilinie ab. Die lautet: Lafontaine und Linkspartei ignorieren und deren Wähler zurückgewinnen. Eine persönliche Attacke hingegen schmeichelt nicht nur Lafontaines Ego, sondern wertet den Gegner auch auf. Zudem wird so der Eindruck erweckt, die SPD führe die Auseinandersetzung mit der Linkspartei vor allem auf emotionaler Ebene - ein Vorwurf, den die SPD selbst gern an Lafontaine richtet. So wird Lafontaine immer vorgeworfen, ein gestörtes psychologisches Verhältnis zu seiner ehemaligen Partei zu haben und nur aus Rache der Linkspartei beigetreten zu sein.

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