Landratswahl in Osnabrück Grüne siegen erstmals in CDU-Hochburg

Schock für die Union: Zum ersten Mal seit Kriegsende verliert die CDU bei der Landratswahl in Osnabrück. Stattdessen triumphiert Anna Kebschull von den Grünen.

Anna Kebschull (vorne) mit Parteifreunden
DPA

Anna Kebschull (vorne) mit Parteifreunden


Nicht einmal in ihren konservativen Hochburgen ist die Union offenbar mehr sicher. Bei der Landratswahl im niedersächsischen Osnabrück hat überraschend Anna Kebschull gewonnen: eine Grünenpolitikerin. Kebschull setzte sich in der Stichwahl mit 52,2 zu 47,8 Prozent gegen Amtsinhaber Michael Lübbersmann von der CDU durch. Damit kommt der Landrat von Osnabrück zum ersten Mal seit Kriegsende nicht aus den Reihen der Union.

Kebschull ist obendrein laut Parteiangaben bundesweit die erste Landrätin von den Grünen. Bisher hätten nur zwei männliche Parteikollegen eine Landratswahl gewonnen, hieß es - und zwar in Bayern.

Der Höhenflug der Grünen bereitet den Konservativen große Sorgen. Zuletzt war die Ökopartei in einigen bundesweiten Umfragen sogar an der Union vorbeigezogen.



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kev/dpa



insgesamt 54 Beiträge
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Phi-Kappa 17.06.2019
1. So kanns nicht weitergehen
In Anbetracht des Zustandes unseres Planeten und der nicht vorhandenen Rezepte der "etablierten" Parteien ist es nur folgerichtig, dass jetzt mal andere das Wort bekommen. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung...
Der Jürgen aus M 17.06.2019
2. Wahlbeteiligung? Junge Wähler?
Ich glaube nicht, dass der XSU die Wähler wegbrechen, sondern dass sich vermehrt junge Menschen (auch dank Rezo) für Politik interessieren und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Und da die Union Politik für die älterer Generation macht (Rentenerhöhungen statt in Familien, Bildung, Jugend zu investieren), die SPD sich in Selbstauflösung befindet,.. gewinnen eben die Grünen dazu. Hoffen wir mal, dass neben Klimaschutz auch noch andere Themen auf deren Agenda steht. Bildung, Familien, ... wir haben (leider) viele Baustellen im Lande.
Hörbört 17.06.2019
3. Die Stimmung ist gekippt
Wir erleben die Phase, in der aus einem Momentum eine Trendwende wird. Es ist nicht mehr nur schick, die Grünen zu wählen, sondern spricht jetzt auch diejenigen an, die an einen Wechsel nicht recht glauben konnten, ihn aber jetzt - angesichts der realistischen Erfolgsaussichten - aktiv unterstützen. Aufbruchstimmung nennt man so etwas. Hinzu kommen die Wähler, die gerne auf der Gewinnerseite stehen (leider gibt es solche Leute). Die Union kann da nichts mehr machen. Strampeln oder stillhalten, beides brächte nichts. Es geht ihr nun ähnlich wie der SPD, die auch kein Mittel mehr in der Hand hat und - egal, was sie auch tut - im politischen Treibsand feststeckt.
Paul Caster 17.06.2019
4. Abwarten....
Es ist ein Unterschied aus der Opposition heraus Forderungen zu stellen... oder diese mit dem Mandat der Wähler auf einmal auch umsetzen zu müssen... Bin gespannt.
hardeenetwork 17.06.2019
5. Grün ist die Zukunft!
Und das ist auch gut so. Denn mit der GroKo werden wir in Sache Klimapolitik ein Totalversagen erleben. Gratulation an Frau Anna Kebschull !!
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