Minensprengung in der Ostsee Ministerien streiten über 18 tote Schweinswale

Mussten Schweinswale in der Ostsee sterben, weil die Marine Weltkriegsminen sprengte? Das Umweltministerium geht diesem Verdacht nach. Das Verteidigungsministerium rechtfertigt die Aktion.

Ostseeschweinswal vor Dänemark: "sehr besorgniserregend"
DPA

Ostseeschweinswal vor Dänemark: "sehr besorgniserregend"


Der Tod von 18 Schweinswalen in der Ostsee beschäftigt die Bundesministerien: Das Verteidigungsministerium prüft laut einem Sprecher den Verdacht, dass die Marine bei einer Sprengung von Weltkriegsminen die streng geschützten Tiere getötet haben könnte.

Das Bundesumweltministerium sieht im Vorgehen der Marine einen Rechtsbruch: Die Sprengung im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt hätte vorab mit dem Bundesamt für Naturschutz abgestimmt werden müssen, sagte ein Sprecher. Dies sei nicht geschehen.

Im Sommer waren bei einem Manöver 39 Minen aus dem Weltkrieg gesprengt worden. Anschließend wurden über mehrere Wochen hinweg 18 tote Schweinswale in dem Gebiet gefunden. Die Tiere stehen unter besonders strengem Schutz. "Wir haben nicht viele Schweinswale in der Ostsee", sagte der Sprecher des Umweltministeriums. "Deswegen ist eine Zahl von 18 Schweinswalen sehr besorgniserregend."

Bundesumweltministerium schließt rechtliche Konsequenzen nicht aus

Auf die Frage, ob dies rechtliche Konsequenzen für die Marine haben könnte, sagte der Sprecher des Bundesumweltministeriums: "Das kann ich erst mal nicht ausschließen." Denn das Bundesnaturschutzgesetz sehe vor, dass in einem Naturschutzgebiet "jede Form der Beeinträchtigung mit den Behörden abzustimmen" sei.

Zunächst müsse nun geklärt werden, ob der Tod der Tiere tatsächlich mit dem Einsatz der Marine zu tun habe. "Man kann natürlich einen Zusammenhang vermuten", sagte der Sprecher.

Das Verteidigungsministerium rechtfertigte die Entscheidung zur Sprengung der Minen. Die Sprengsätze aus dem Zweiten Weltkrieg seien "so gefährlich geworden, dass sie eine Gefahr für Leib und Leben darstellten", sagte ein Sprecher. Es hätte auf der viel befahrenen Route in der Ostsee bereits "das Fallen eines Ankers, das Fischernetz ausgereicht, um diese Minen zu detonieren".

Sollte es einen Zusammenhang zwischen dem Marineeinsatz und dem Tod der Tiere geben, "bedauern wir das natürlich", sagte der Sprecher. Das Ministerium prüfe derzeit, wie die Behördenzuständigkeiten in solchen Fällen aussehen, und wolle im Zuge dessen auch "herausfinden, in welcher Weise wir das besser machen können".

asa/AFP



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