Zurück in Deutschland: Militärbeobachter wieder frei
Rückkehr der Militärbeobachter Glimpfliches Ende einer missglückten Dienstreise
Die Erleichterung war Oberst Axel Schneider anzumerken: "Gestern Abend lagen wir noch unter Feuer, jetzt haben wir unsere Familien gesehen. Das hätten wir vor einem Tag noch nicht für möglich gehalten", sagte der Bundeswehrsoldat kurz nach seiner Ankunft in Deutschland am späten Samstagabend.
Acht Tage lang waren Schneider und elf andere Inspektoren aus Tschechien, Dänemark, Polen und der Ukraine in der Hand prorussischer Milizionäre in Slowjansk. Die Separatisten um den selbsternannten Bürgermeister, Wjatscheslaw Ponomarjow, hatten die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am 25. April festgesetzt. Am Samstagmorgen waren sie auf freien Fuß gekommen.
Ausdrücklich dankte Oberst Schneider nach der Landung auf dem Berliner Flughafen Tegel allen, die sich für ihre Freilassung eingesetzt hatten. "Das werden wir unser Leben lang nicht vergessen. Danke schön", sagte er.
Die sichere Rückkehr der Militärbeobachter ist für die Bundesregierung und ihre europäischen Partner eine der wenigen guten Nachrichten aus dem Krisenstaat Ukraine. Zahlreiche Orte im Osten des Landes befinden sich noch immer in der Hand prorussischer Milizen, die angekündigte "Anti-Terror-Operation" der ukrainischen Armee kommt nur zögerlich voran. Seit Freitag ist ein neuer Brennpunkt hinzugekommen: In der Schwarzmeerstadt Odessa, einige hundert Kilometer südwestlich von Slowjansk, eskalierte die Gewalt. Dutzende Menschen starben, vermutlich weil ein Mob prowestlicher Aktivsten ein Haus in Brand setzte, in dem sich Russland-treue Demonstranten verbarrikadiert hatten.
"Unendlich gute Zusammenarbeit"
Umso mehr waren Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre Amtskollegen aus Dänemark und Tschechien, die ebenfalls zum Flughafen Tegel gekommen waren, bemüht, die Freilassung der Militärbeobachter als wichtigen Erfolg im Ukraine-Konflikt erscheinen zu lassen. Von einer "unendlich guten internationalen Zusammenarbeit" sprach von der Leyen auf dem Rollfeld. Europa ist handlungsfähig - diese Botschaft wollte die Ministerin setzen.
Anders als noch in einem vorherigen Statement kam ihr kein Wort der Anerkennung für die Rolle Russlands in dem Geiseldrama über die Lippen. Am Nachmittag hatte sie noch den persönlichen Einsatz des russischen Sondergesandten Wladimir Lukin gelobt. Auch ihr Kabinettskollege Frank-Walter Steinmeier hatte sich zuvor ausdrücklich bei Putins Sondergesandtem bedankt. Der Russe hatte sich vor Ort bei den Entführern für die Freilassung der Militärbeobachter eingesetzt. Am Abend, nach der Landung der freigelassenen Geiseln in Berlin, vermied von der Leyen eine Erwähnung Russlands.
Der Kreml hatte zudem am Samstag klar gemacht, dass man von der Führung in Kiew und ihren europäischen Unterstützern eine Gegenleistung für das Entgegenkommen der Separatisten erwarte. Doch die Verteidigungsminister aus Berlin, Kopenhagen und Prag schienen davon nichts wissen zu wollen. Der tschechische Ressortchef Martin Stropnicky dankte stattdessen ausdrücklich seiner "lieben Kollegin Ursula" für ihren Einsatz.
Ein wenig süffisant fügte Stropnicky in Tegel hinzu: "Der Bürgermeister von Slowjansk hat nun niemanden mehr als Gast. Und ich hoffe, dass er auch in Zukunft niemanden als Gast begrüßen wird." Der Separatistenführer Ponomarjow hatte seine Geiseln zuvor auf einer Pressekonferenz zynisch als seine Gäste bezeichnet. Das Entführungsdrama von Slowjansk ist damit nach einer Woche glimpflich geendet. Die Lösung des Machtkampfs um die gesamte Ukraine wird einen längeren Atem erfordern.
Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, dass die Beobachter mit einem "Mandat der OSZE" in der Ostukraine tätig gewesen seien. Grundlage der Arbeit war jedoch kein solches formales Mandat, sondern lediglich ein Tätigwerden aufgrund einer OSZE-Vereinbarung, dem sogenannten "Wiener Dokument".