Panzer-Affäre Razzia bei ThyssenKrupp

Die Affäre um die Lieferung von Fuchs-Spürpanzern der Firma Thyssen nach Saudi-Arabien 1991 weitet sich aus. Staatsanwälte haben die Wohnungen von mehreren Managern und Teile des heutigen ThyssenKrupp-Konzerns durchsucht. Die Ermittlungen um den Panzerdeal hatten im vergangenen Herbst die CDU-Parteispenden-Affäre ins Rollen gebracht.

Düsseldorf - Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs ehemalige oder amtierende Thyssen-Manager wegen des Verdachts der Hinterziehung von Körperschaftsteuer. Dabei gehe es um angebliche Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Panzergeschäft in Höhe von 220 Millionen Mark, sagte Staatsanwalt Johannes Mocken am Freitag.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurden am vergangenen Montag Büros des heutigen ThyssenKrupp-Konzerns und sechs Privatwohnungen durchsucht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. "Dabei ist umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden", sagte Staatsanwalt Michael Schwarz.

Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" wurden unter anderem im Haus des ehemaligen Thyssen-Managers Jürgen Maßmann Unterlagen sichergestellt. Auch die Wohnung des früheren Vorstandsvorsitzenden der Thyssen Industrie AG und heutigen Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp Industries AG, Eckhard Rohkamm, sei durchsucht worden. Neben Maßmann und Rohkamm ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen das Ex-Vorstandsmitglied der Thyssen Industrie AG, Winfried Haastert.

Die Verdächtigen sollen angebliche Provisionszahlungen an Geschäftspartner in Saudi-Arabien unberechtigt als Betriebsausgaben geltend gemacht haben. Tatsächlich sollen die Gelder an Tarnfirmen in Panama und auf den britischen Virgin Islands gezahlt worden sein. Sie seien damit wirtschaftlich im Einflussbereich des ehemaligen Thyssen-Konzerns verblieben, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen erstreckten sich auf die Steuererklärungen der Jahre 1991 bis 1993. Das Panzergeschäft hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Gesamtvolumen von 446 Millionen Mark. Davon seien 220 Millionen Mark - also rund 50 Prozent - von Thyssen als angebliche Schmiergelder geltend gemacht worden. "Über den Verbleib des Geldes haben wir keine Anhaltspunkte", sagte Schwarz.

Unter anderem wird dem Verdacht nachgegangen, dass sich einige der an dem Geschäft beteiligten Männer das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben könnten. Möglicherweise könnten einige der Mittel aber auch als Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker geflossen sein, berichtet die "Welt".

Wie der Kölner "Express" in seiner Samstagausgabe berichtet, ist in diesem Zusammenhang auch die Wohnung der früheren Parlamentarischen Staatssekretärin Agnes Hürland-Büning (CDU) in Schermbeck bei Wesel (Nordrhein-Westfalen) von den Fahndern durchsucht worden. Hürland-Büning hatte von Thyssen Provisionszahlungen erhalten.

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Waffenhändler Karlheinz Schreiber und den ehemaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep im Zusammenhang mit dem Panzerdeal hatten im Herbst des vergangenen Jahres den CDU-Spendenskandal ausgelöst.

Das Verfahren wurde ursprünglich von der Augsburger Staatsanwaltschaft geführt. Da der ThyssenKrupp-Konzern seinen Verwaltungssitz in Düsseldorf hat und die mutmaßliche Steuerhinterziehung beim Finanzamt Duisburg stattgefunden haben soll, haben die Düsseldorfer Ermittler das Verfahren übernommen.