Parlamentsposse Lammert verhütet Kondomverkauf im Bundestag

Seit Ostern hatten Bundestagsabgeordnete die Wahl: An einem Automaten konnten sie neben Zigaretten auch Kondome erwerben. Parlamentspräsident Lammert war das offenbar zu heikel, seine Verwaltung ließ jetzt den Verkauf der Präservative unterbinden. Beim Betreiber ist man irritiert.
Bundestagspräsident Lammert: Keine Pariser in Berlin

Bundestagspräsident Lammert: Keine Pariser in Berlin

Foto: dapd

Berlin - Als die Bundestagsabgeordneten kürzlich aus ihrem Osterurlaub zurückkehrten, rieben sich manche die Augen. Ein Parlamentsautomat, an dem sie normalerweise Zigaretten kauften, hatte plötzlich ein neues Produkt im Angebot: Kondome. Schön bunt - und gleich über drei Fächer verteilt. Fünf Stück für fünf Euro. Die Neuerung, über die auch SPIEGEL ONLINE berichtete, sorgte im Hohen Haus für allerlei Spekulationen.

Viel Zeit, die Präservative auszuprobieren, hatten die Abgeordneten jedoch nicht. Inzwischen sind sie weder weg.

Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) war die Sache mit den Parisern offenbar zu heikel, jedenfalls intervenierte seine Bundestagsverwaltung recht entschlossen beim Automatenbetreiber tobaccoland und ließ den Kondomverkauf kurzerhand stoppen. Die Firma habe mit dem Deutschen Bundestag einen Vertrag zur Aufstellung eines Zigarettenautomaten abgeschlossen, der "nur mit Tabakwaren bestückt werden" dürfe, begründete eine Sprecherin Lammerts die Notbremse. Die "abredewidrig angebotenen Kondome" seien deshalb an diesem Dienstag entfernt worden.

Vertrag ist nun mal Vertrag.

Bei der Automatenfirma kann man die Aufregung nicht so recht verstehen. Dort hätte man sich ein bisschen mehr Humor gewünscht. Zitieren lassen will sich bei tobaccoland niemand, der Streit soll nicht weiter befeuert werden. Aber klar ist, dass man dort die Sache allenfalls als minderschwere Vertragsverletzung sieht. Mehr nicht.

Man habe ja keineswegs provozieren wollen, heißt es. Die Präservative seien als Ersatzprodukt ins Sortiment aufgenommen worden, nachdem die hauseigene Software im entsprechenden Automaten eine Zigarettensorte ausgemacht habe, die sich schlecht verkaufte. Und wären die Kondome ebenso schlecht gelaufen, hätte man auch sie irgendwann ersetzt. Reine Routine.

Doch auf Experimente wollte sich die Bundestagsverwaltung offensichtlich nicht einlassen. Der Automat im Souterrain des Paul-Löbe-Hauses befindet sich jetzt wieder im Normalzustand. Die fraglichen drei Fächer wurden kurzerhand mit Zigaretten gefüllt. Jetzt heißt es wieder: Kippen statt Kondome. Und der Präsident kann beruhigt weiter arbeiten.

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