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27. Juni 2019, 17:47 Uhr

Verbindungen zur NPD

Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Chef droht Rauswurf

Dennis Augustin, AfD-Co-Chef des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, war in der Vergangenheit offenbar bei der NPD aktiv. Nun fordern Parteifreunde seinen Ausschluss aus der Partei.

Führende AfD-Politiker wollen ein Mitglied aus der Partei ausschließen: Der Co-Vorsitzende der AfD Mecklenburg-Vorpommern Dennis Augustin hatte in der Vergangenheit Kontakt zur rechtsextremen NPD. Der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland sagte: "Die zuständigen Gremien sollten ein Parteiausschlussverfahren einleiten. Wir werden im Bundesvorstand darüber sprechen."

Leif-Erik Holm, der gemeinsam mit Augustin den Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern inne hat, legte seinem Parteikollegen nahe, "selbst die Reißleine ziehen". Ansonsten werde sich der Landesvorstand in der nächsten Woche damit befassen müssen.

Augustin nahm 1989 an einem Lehrgang der NPD in Norditalien teil - dafür bekam er eine Urkunde vom späteren NPD-Chef Udo Voigt. Augustin wurde als "Grundlehrgangs-Bester" ausgezeichnet. Darüber berichtete zunächst der "Nordkurier".

Augustin nennt den Kontakt eine "kleine Verfehlung"

Auf seiner Facebook-Seite bestätigte Augustin das damalige Geschehen. "Ja, ich habe mich vor 30 Jahren mal von Gleichaltrigen mitreißen lassen und mir verschiedene Dinge angeschaut. Und dabei bin ich auch mal mit nach Italien gefahren und habe eine Urkunde bekommen", heißt es dort. Junge Menschen machten Fehler. Eine "kleine Verfehlung" werde nun zum Skandal aufgebauscht. Er habe keine Karriere in der NPD gemacht, sondern sei über Jahrzehnte überhaupt nicht politisch aktiv gewesen und erst 2016 in die AfD eingetreten.

Der "Nordkurier" veröffentlichte Fotos, die dem Blatt zufolge aus einer Ausgabe der NPD-Parteizeitung "Deutsche Stimme" von 1989 stammen. Die Fotos seien in Italien aufgenommen worden, wo die NPD ein "Nationaldemokratisches Bildungszentrum" betrieben habe. Im Zentrum wurden demnach "Grundlehrgänge" für vielversprechende Parteikader organisiert, um sie auf eine politische Zukunft in der rechtsextremen Partei vorzubereiten.

Schon länger gibt es Vorwürfe, Augustin stehe dem Rechtsextremismus nahe. Zwischen seinem als gemäßigt geltenden Co-Vorsitzenden Holm gibt es schon länger Differenzen. Holm erklärte: "Es ist ausgesprochen unehrlich, solche wichtigen Details des eigenen Lebens zu verschweigen."

höh/dpa

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