Parteien CDU und FDP werben um Grünen-Politiker Metzger

Die Grünen wollen ihn nicht mehr, dafür CDU und FDP umso mehr: Der in seiner Partei umstrittene Finanzexperte Oswald Metzger wird von konservativen und liberalen Politikern heftig umworben. Ob er bei den Grünen austritt und was dann kommt, will Metzger morgen bekanntgeben.

Hamburg - Die Grünen sieht Oswald Metzger auf dem Weg nach Links - da ist der Weg für ihn zu FDP und CDU kein so weiter mehr: Beide Parteien werben nach dem Bundesparteitag der Grünen massiv um den in seiner Partei in die Kritik geratenen Finanzexperten. Metzger hat das Parteitagsvotum für die Grundsicherung heftig kritisiert.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs sagte der "Bild"-Zeitung, Metzger sei ein guter Mann und ein kompetenter Finanzpolitiker: "Ich gehe davon aus, dass er seine Partei verlässt - und ich lade ihn ein, in die Union zu kommen." Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger sagte dem "Focus": "Es ist nicht unsere, sondern seine Entscheidung, ob er bei der CDU mitmachen will." Es gebe keine Transferlisten, man mache keine Lockangebote, man habe aber auch keinen Aufnahmestopp.

Auch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Wirtschaft in der Unionsfraktion, Laurenz Meyer, würde einen Wechsel des Grünen-Politikers begrüßen. "Oswald Metzger würde gut in die CDU passen", sagte er "Bild"-Zeitung. Zuvor hatte bereits der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach erklärt, Metzger sei willkommen.

FDP-Chef Guido Westerwelle sieht nach dem Parteitag der Grünen weiterhin keine Möglichkeit für eine "Jamaika-Koalition" zwischen CDU, Grünen und FDP. Im "ARD"-Morgenmagazin erklärte er: "Man muss die Grünen daran messen, was sie auf diesem Bundesparteitag beschlossen haben. Die Idee, man könnte 60 Milliarden Euro jährlich an Versprechungen mal eben durchfinanzieren, indem man Steuern erhöht - das ist eine Vorstellung, die wir ablehnen."

Westerwelle appellierte an die Grünen, die von diesem Kurs enttäuscht seien, zur FDP zu wechseln - das galt ganz offenbar Oswald Metzger. Der verantwortungsbewusste Wirtschaftsflügel der Grünen könne bei den Liberalen eine neue Heimat finden.

Ein Sprecher von Metzger bekräftigte heute, der Grünen-Politiker wolle morgen seinen Entschluss über einen möglichen Parteiaustritt bekanntgeben. Er habe allerdings keine Absicht, im baden-württembergischen Landtag die Mehrheit zu verändern. Der CDU fehlt in Stuttgart eine Stimme zur absoluten Mehrheit.

Bei den Grünen ging die parteiinterne Kritik an Metzger weiter, der sich kritisch und abfällig über Arbeitslose geäußert hatte. Eine von der Grünen-Spitze geforderte Entschuldigung hatte er verweigert. "Er missbraucht die Situation von Arbeitslosen für seine Profilierung. Das ist schäbig", kritisierte die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Sie lade Metzger gerne zur Nachhilfe in Sozialpolitik nach Nordrhein-Westfalen ein. "Da kann er sehen, dass Arbeitslosigkeit nicht mit Dummheit gleichzusetzen ist", sagte die Grünen-Landeschefin.

Metzger saß für die Grünen bereits im Bundestag. Im Jahr 2005 scheiterte er bei der Aufstellung der entsprechenden Liste und vertritt seine Partei nun im baden-württembergischen Landtag. Vor mehreren Jahren hatte bereits die frühere Abgeordnete Heike Dederer die Grünen verlassen und war zur CDU gewechselt.

flo/AP

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