Parteitag in Bamberg NPD sperrt unliebsame Journalisten aus

Kritische Berichterstattung unerwünscht: Die NPD will unliebsamen Journalisten am Wochenende den Zutritt zu ihrem Parteitag verweigern - weil diese angeblich "die antidemokratischen Phantasien der BRD-Obrigkeit Realität werden" lassen.


Berlin - Zutritt nur stundenweise, keine Bewegungsfreiheit, Zensurversuche, verbale Drohungen - schon bei ihrem letzten Bundesparteitag im November 2006 in Berlin hat die NPD die Arbeit von Journalisten massiv behindert. Nun will die rechtsextreme Partei unliebsame Pressevertreter von ihrem nächsten Bundestreffen am Wochenende in Bamberg komplett ausschließen.

NPD-Fahne an der Parteizentrale: "Selbst disqualifiziert"
DDP

NPD-Fahne an der Parteizentrale: "Selbst disqualifiziert"

Die Presseabteilung der NPD verweigert drei Journalisten die Akkreditierung für den Tagungssaal in der Konzert- und Kongresshalle der oberfränkischen Stadt. Betroffen sind ein Fotograf, ein Fernsehreporter des ARD-Magazins "Report Mainz" und die für ihre Recherchen im Neonazi-Milieu bekannte und ausgezeichnete Andrea Röpke. Röpke arbeitet etwa für "Panorama" und die "tageszeitung".

In einer E-Mail an den "Report"-Journalisten, die die Partei auf ihrer Parteitagsseite im Internet veröffentlicht hat, begründet NPD-Pressesprecher Klaus Beier den Rauswurf: Das Magazin habe sich durch Beiträge über die NPD "zu einem politischen Akteur gestempelt, der im vorauseilenden Gehorsam die antidemokratischen Phantasien der multikulturalistischen BRD-Obrigkeit Realität werden lässt". "Damit haben Sie sich selbst disqualifiziert und selbst aus dem Feld genommen", schreibt Beier weiter.

"Billige Retourkutsche"

Das ARD-Magazin hatte zuletzt in einem Beitrag über die Verbindungen der in Sachsen verbotenen militanten Kameradschaft "Sturm 34" zur NPD berichtet. Der ARD-Reporter bezeichnete die NPD-Absage gegenüber der "tageszeitung" als "billige Retourkutsche für eine kritische Berichterstattung, die der NPD offensichtlich wehgetan hat".

In der E-Mail an Andrea Röpke machen die Rechtsextremen der Journalistin laut "tageszeitung" ein absurdes Angebot. "Sollten Sie Tatsachen geltend machen, die Ihre Bereitschaft erkennen lassen, sich zu resozialisieren, sind wir bereit, mit Ihnen zu sprechen", schwadroniert NPD-Sprecher Beier. Nach Angaben der "taz" wollen die Ausgesperrten trotz des NPD-Schreibens zum Parteitag kommen. Man lasse sich "nicht mundtot machen", wird der ARD-Journalist zitiert.

phw



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