Parteivorsitz Grünen-Politikerin Lemke verzichtet auf Kandidatur

Der Konflikt um den Parteivorsitz der Grünen ist offenbar geklärt. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke will von einer Kandidatur als Nachfolgerin von Claudia Roth absehen. Jetzt ist der Weg frei für Simone Peter.

Grünen-Politikerinnen Göring-Eckardt (l.), Lemke: Keine Kandidatur
DPA

Grünen-Politikerinnen Göring-Eckardt (l.), Lemke: Keine Kandidatur


Berlin - In der Führungsriege der Grünen tobt ein Machtkampf. Jetzt gibt es erste Vorentscheidungen für die Neuaufstellung der Partei. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke hat am Freitagabend bei einem internen Treffen der Parteilinken mitgeteilt, nicht als Parteichefin anzutreten, melden die Nachrichtenagentur dpa und die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Lemke hatte sich eine Bewerbung zunächst offen gehalten.

Damit ist der Weg frei für die frühere saarländische Umweltministerin Simone Peter, die sich für die Nachfolge von Parteichefin Claudia Roth bewerben will. Sie habe ihre Ziele vorgestellt. Sie wolle Brücken bauen, sagte sie laut Teilnehmern. Peter könnte damit gemeinsam mit dem Realo Cem Özdemir die Grünen-Spitze einnehmen. Der bisherige Co-Parteichef will sich um das Amt erneut bewerben.

Ob die Spitzenkandidatin im Wahlkampf, Katrin Göring-Eckardt, oder die stellvertretende Fraktionschefin Kerstin Andreae künftig an der Spitze der Fraktion steht, blieb hingegen nach einem mit Spannung erwarteten internen Treffen am Freitagabend offen. Gesetzt ist dort bislang nur der Parteilinke Anton Hofreiter.

Zu wirtschaftsfreundlich

Bei einer zeitgleich mit dem Treffen der Parteilinken stattfindenden Zusammenkunft von rund 200 Partei-Realos habe es demonstrativ starken Beifall für Andreae gegeben, berichteten Teilnehmer laut dpa in Berlin. Göring-Eckardt sei nach ihrer Rede schwächer beklatscht worden. Die Thüringerin steht nach ihrer Spitzenkandidatur für Kontinuität. Ihr wird ihre Rolle im Bundestagswahlkampf nach der Wahlniederlage aber auch angekreidet. Andreae gilt als neues Gesicht, aber manchen als zu wirtschaftsfreundlich. Vor allem die regierenden Grünen in Baden-Württemberg hätten sich für sie eingesetzt, hieß es.

Noch unklar ist laut Teilnehmern, ob es nun unter den Realos in der Fraktion den Versuch geben wird, sich auf eine der beiden Kandidatinnen zu einigen. Eine Probeabstimmung wurde für diesen Montag erwogen. Göring-Eckardt hatte am Freitag bekräftigt, dass sie antreten wolle.

Am Samstag wollen die Grünen auf einem kleinen Parteitag in Berlin einen Vorstandsantrag zum weiteren Vorgehen beraten. Die Beschlussempfehlung lautet, dass die Grünen mit allen demokratischen Parteien - also Union, aber auch SPD und Linken - Koalitionsverhandlungen sondieren würden, sofern sie eingeladen werden. Ihre Parteiführung wollen sie bei einem Parteitag im Oktober neu bestimmen. Der Vorstand hatte seinen kompletten Rückzug angekündigt.

bos/dpa

insgesamt 35 Beiträge
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realotaube 28.09.2013
1. neuanfang
Simone Peter. Eine kluge Frau mit viel Erfahrung im Bereich Energiepolitik. Jetzt muss aber Cem ersetzt werden. Was hat er der Partei gebracht? Er hat nur zugeschaut und nie etwas durchgesetzt.
gustav_rach 28.09.2013
2. Simone Peter ist Gift für andere Parteien,
sie verkörpert Klugheit, Sympathie und Gelassenheit, also das Gegenteil von Katrin Göring-Eckardt, Roth und Künast. Wird jetzt aus einer hässlichen Raupe ein wunderschöner Schmetterling?
analyse 28.09.2013
3. die
1. die gesamte Führungsriege muß zurücktreten,um einer Erneuerung nicht im Wege zu stehen 2. die Wirtschaftsfeindlichkeit muß überwunden werden,Gibt es niemand bei den Grünen,der ihnen klar macht,das ohne vernünftige Wirtschaftspolitik keine grünen Pläne zu verwirklichen sind ?Daß das immer noch nicht erkannt wird zeigt:die Grünen sind noch nicht reif für eine Erneuerung,zu tief steckt noch die linke Ideologie drin:gesellschaftspolitischer Kampf vor Umweltinteressen !Warum bitteschön sollte ein von der Marktwirtschaft überzeugter Bürger der gleichzeitig für Natur und Umweltschutz eintritt die Grünen wählen ? Durch die von den K-Gruppen in die grüne Partei eingeschleppte Ideologie haben die "GRÜNEN" verpaßt,dritte Kraft in diesem Land zu werden !Hörte man z.B. Steffi Lemke zu,dann erkennt man was ich meine !
theorbitter 28.09.2013
4. Na klar.
Natürlich wird wie üblich vermieden, daß tatsächlich mal die Wahl zwischen zwei oder gar mehr Kandidaten besteht. Das wären ja dann Demokratie-ähnliche Zustände! Das geht natürlich garnicht. Denn eine Wahl ist es nur dann, wenn über einen einzigen Kandidaten abgestimmt wird. Alles andere ist eine "Kampfkandidatur" und damit grundsätzlich abzulehnen. Was für ein Hohn.
~GeorgK 28.09.2013
5.
Warum wird ein normaler demokratischer Vorgang wie die Kandidatur *mehrerer* Bewerber um * ein* Voratandsmandat immer gleich als "Konflikt", "Gerangel" oder "Machtkampf" beschrieben?
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