Paulis Ehevorstoß "Noch einmal in die Suppe hauen - dann ein leiser Abgang"

CSU-Rebellin Pauli hat ihren provokanten Vorschlag für befristete Ehen beim Kabarettisten Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig geklaut. Der kündigt im Interview mit SPIEGEL ONLINE ein umfassendes Pauli-Programm an. Dass es der Landrätin noch hilft, glaubt er allerdings nicht.


SPIEGEL ONLINE: Herr Barwasser, fühlen Sie sich geehrt, dass Frau Pauli sich der Idee ihrer Figur des Erwin Pelzig bedient?

Barwasser: Das ist toll! Kabarettisten wird ja oft vorgehalten, nichts zu bewirken. Hier habe ich mal etwas bewirkt. Normalerweise wirkt Politik ja ins Kabarett oder in die Satire, hier ist es einmal anders herum: Die Politik greift Gedanken aus dem Kabarett auf. Im Übrigen befinde ich mich mit dem Ehevorschlag in bester Gesellschaft: Schon Goethe dachte in diese Richtung.

Kabarettfigur Erwin Pelzig: "In Bayern kriegt Frau Pauli keinen Fuß mehr auf den Boden"
Florian Hauck

Kabarettfigur Erwin Pelzig: "In Bayern kriegt Frau Pauli keinen Fuß mehr auf den Boden"

SPIEGEL ONLINE: Goethe und Erwin Pelzig haben sich allerdings für ein Ehelimit von fünf Jahren ausgesprochen.

Barwasser: Ja, Frau Pauli schlägt sieben Jahre vor, weil dann das verflixte siebente Jahr kommt. Das hätte ich den Leuten gerne erspart. Wenn's am schönsten ist, soll man aufhören. Deswegen von mir aus eher fünf Jahre.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst sind nicht verheiratet.

Barwasser: Ich bin reiner Theoretiker. Deswegen weiß ich so gut Bescheid.

SPIEGEL ONLINE: Wäre denn eine befristete Ehe etwas für Sie?

Barwasser: Ich würde lieber gar nicht heiraten.

SPIEGEL ONLINE: Bei den Parteigrößen kommt Paulis Vorstoß gar nicht gut an. Günther Beckstein spricht von einer "peinlichen Niveaulosigkeit", Edmund Stoiber von einer "abstrusen Hippie-Meinung einer Frau, die sich nicht mehr unter Kontrolle hat". Da muss sich Erwin Pelzig doch auch angegriffen fühlen.

Barwasser: Nein, ich darf als Kabarettist so etwas sagen. Frau Pauli darf es nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie persönlich mögen Frau Pauli aber?

Barwasser: Sie war in meiner Sendung zu Gast. Da habe ich sie als sehr charmante, freundliche und zurückhaltende Frau erlebt.

SPIEGEL ONLINE: Zurückhaltend?

Barwasser: Ja, deswegen bin ich jetzt auch etwas irritiert über alles, was passiert ist.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert Sie an ihr besonders?

Barwasser: Ich finde ihren Mut sehr bemerkenswert.

SPIEGEL ONLINE: Die Zuneigung scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Frau Pauli sagt über Sie, dass Sie "sehr fortschrittliche Gedanken in eine bayerische Art hineinverpacken". Da könne man gar nicht anders, als Ihnen Recht geben. Haben Sie noch ein paar Vorschläge für die Landrätin auf Lager?

Barwasser: Ich stelle gerade ein Programm zusammen, mit dem sie sich vielleicht noch weiter profilieren kann.

SPIEGEL ONLINE: Was schwebt Ihnen vor?

Barwasser: Ich hatte vor kurzem schon einmal vorgeschlagen, dass gedopte Tour-de-France-Fahrer, die erwischt wurden, nicht mehr weiter radeln dürfen, sondern ihre Fahrräder bis ins Ziel tragen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Ein sportpolitischer Vorstoß.

Barwasser: Genau. Man könnte das Doping auch komplett freigeben und als Alternative hormonfreies Bio-Springen veranstalten. Ich kann aber leider noch nicht so konkret werden. Ich möchte noch ein wenig abwarten, was weiter passiert. Der Einfluss, den meine Ehebemerkung nun entwickelt hat, erschreckt mich fast ein bisschen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr letztes Programm hieß "Worte statt Taten". Gilt das auch für Frau Pauli?

Barwasser: Ja, schon. Mein aktuelles Programm heißt "Vertrauen auf Verdacht" – und das gilt für Frau Pauli erst recht.

SPIEGEL ONLINE: Erwin Pelzig ist ein Querulant. Was missfällt ihm an Bayern?

Barwasser: Erwin Pelzig ist ein Grübler. Und er ist vor allem ein Franke. Und die Franken fühlen sich in Bayern stets benachteiligt. Erwin Pelzig ist die Stimme der Unterdrückten.

SPIEGEL ONLINE: Aber jetzt kommt der Franke Beckstein.

Barwasser: Genau, jetzt kommt das große Zeitalter der Franken. Aber ohne Frau Pauli.

SPIEGEL ONLINE: Sie hat sich mit ihrem Vorschlag endgültig ins Abseits geschossen, wie es ihr auch der scheidende Ministerpräsident prophezeit?

Barwasser: In Bayern kriegt sie keinen Fuß mehr auf den Boden. Aber ich vermute, sie will das auch so: Jetzt noch einmal richtig in die Suppe hauen und dann ein leiser Abgang.

SPIEGEL ONLINE: Und danach?

Barwasser: Freie Wirtschaft. Irgendein Stromkonzern wird sich schon finden.

Das Interview führte Philipp Wittrock



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