Steinbrück über SPD-Kanzlerkandidat "Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?"

Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der nie eine Wahl gewann, hat ein paar Ratschläge für seine Partei und Martin Schulz.

Peer Steinbrück
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Wenn es nach Peer Steinbrück geht, sollten sich die Sozialdemokraten im Bundestagswahlkampf nicht allein auf das Thema Gerechtigkeit festlegen. "Die SPD wird auf diesen Code nicht verzichten können", sagte der Ex-Bundesfinanzminister und Ex-Kanzlerkandidat der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich gebe aber allen recht, die sagen: Die Konzentration auf die Gerechtigkeit reicht nicht, es muss etwas dazu kommen, das Fortschritt, Zukunftsoptionen verdeutlicht."

Zugleich empfahl Steinbrück seiner Partei, im Bundestagswahlkampf nicht auf Rot-Rot-Grün zu setzen. "Rot-Rot-Grün ist, jedenfalls im Westen, schlicht und einfach nicht akzeptabel, dem Wähler nicht vermittelbar. Vielleicht in mittlerer Zukunft ...".

Trotz der Niederlagen bei allen drei Landtagswahlen in diesem Jahr müsse die SPD aber weiter auf ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz setzen, so Steinbrück. "Man kann die Pferde nicht mitten im Galopp wechseln."

Auf die Frage, was in der SPD beim Schulz-Hype schief gelaufen sei, antwortete Steinbrück, die 100 Prozent im März bei der Wahl von Schulz zum Parteivorsitzenden seien "vergiftet" gewesen. "Die Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein Realitätsverlust eingestellt und das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?"

Zugleich riet der SPD-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2013 seinen Parteifreunden zu mehr Lockerheit. Ein Vorbild dafür sei FDP-Chef Christian Linder. Dieser komme an mit seinem Stil, "nicht aufgesetzt, locker, das weckt Sympathien", sagte Steinbrück der "FAS".

Seine Genossen seien "häufig zu verbiestert, wahnsinnig überzeugt von der eigenen Mission". Und: "Der Begriff der Heulsusen trifft gelegentlich den Gemütszustand der SPD. Nur wehe, Sie sprechen ihn aus."

cte/dpa



insgesamt 148 Beiträge
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heinihuckeduster 27.05.2017
1. Ratschläge von diesem Paradiesvogel
sind genau das, was die SPD zum Projekt "Volkspartei 18 Prozent" nötig hat. Da ist der Erfolg schon vorprogrammiert.
rilepho 27.05.2017
2. Herrn Steinbrück
schätze ich sehr. Doch warum können die SPDler nicht einfach mal ihre persönlichen Kommentare runterschlucken und den Mund halten, anstatt Ratschläge und Beurteilungen über aktuelle Kandidaten auszuplaudern? Und die Journalisten sollten ihre Sucht nach solchen Befragungen bekämpfen! Wirklich Wichtiges gibt es doch genug!
Havel Pavel 27.05.2017
3. Der Typ soll doch empfehlen was er will,
dennoch wird jeder Wähler mit etwas Verstand sehr wohl wissen welche Partei er zu wählen hat und welche ebn gerade nicht! Statt eines Buchhändlers hätte doch auch Herr Steinbruch die Parteiführung übernehmen können und sich wieder als Kanzlerkandidat aufstellen lassen. Der Erfolg wäre vermutlich besser ausgefallen als unter Martin Schulz es sich nun abzeichnet!
lazyfox 27.05.2017
4. sagt Peer Margaret Thatcher Steinbrück
oder wer? Steinbrück gehört zu den Zerstörern der SPD-Glaubwürdigkeit. Er argumentiert wie ein Neoliberaler. Ein Banken- und Industriefreund. Mitschuld am verarme der unter und mittleren Schichten und damit Mitstifter des sozialen Unfriedens. Ein Gegner der Marktwirtschaft, weil er Banken und Großindustrie nicht wirklich dem Wettbewerb aussetzt wie mittlere und kleine Unternehmen. Marktwirtschaft schafft automatisch mehr Gerechtigkeit, weil die Großen nicht bevorzugt werden. Der Neoliberalismus zerstört langfristig die Wirtschaft. Warum soll verdientes Geld nicht auch Arbeitnehmern zugute kommen statt alles im Kapitalmarktschornstein zu verrauchen. Ich glaube die Neoliberalen, wie Steinbrück haben Marktwirtschaft nicht wirklich verstanden.
Tschepalu 27.05.2017
5. Kopfschüttel...
jemand der der Finanzwirtschaft so nahe steht, abkassiert und das nicht zu knapp sollte sich zurückhalten. Aber dass solche Leute in der SPD was zu melden haben zeigt wie "sozial" die SPD ist. Nämlich überhaupt nicht. Diese Partei ist die Partei des großen Geldes wie die anderen auch. Die einzige Partei die noch sozial ist ist die Linke, darum will die SPD auch nicht mit denen denn dann müßte sie ihre sozialen Versprechungen umsetzen und nichts fürchtet diese SPD mehr.................
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