Ex-Kanzlerkandidat Steinbrück rechnet mit den Medien ab

Peer Steinbrück hadert noch immer mit seinem Verhältnis zu den Medien im Bundestagswahlkampf. Nebensächlichkeiten seien teils wichtiger gewesen als Inhalte, sagte er der "Zeit". "Das werde ich so schnell nicht vergessen."

SPD-Politiker Steinbrück: "Das werde ich so schnell nicht vergessen"
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SPD-Politiker Steinbrück: "Das werde ich so schnell nicht vergessen"


Hamburg - Peer Steinbrück fühlt sich von den Medien schlecht behandelt. Teile der Presse hätten während des Bundestagswahlkampfs Grenzen überschritten, sagte der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat in einem Interview mit der "Zeit".

Das mache er an mehreren Erlebnissen fest, "mit dem Höhepunkt, dass zwei Zeitungen mich drei Wochen vor der Wahl in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Mein lieber Scholli!", sagte Steinbrück. Die "Welt am Sonntag" hatte im August über mögliche Kontakte Steinbrücks zur DDR-Staatssicherheit berichtet, daraufhin stellte dieser seine Stasi-Akte ins Internet.

Im Wahlkampf hätten sich die Medien mehr auf Nebensächlichkeiten konzentriert, kritisierte der Politiker. "Ich habe nicht gedacht, dass ein Teil der Medien bereit sein könnte, sich an einer solchen Entpolitisierung zu beteiligen", sagte Steinbrück. "Es gibt doch tatsächlich einen Journalismus, der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert", fügte der ehemalige Merkel-Herausforderer hinzu.

Zweifel am Mitgliedervotum

Dennoch habe sich für ihn persönlich die Kanzlerkandidatur gelohnt, "weil es eine einmalige Erfahrung ist, eine Erfahrung, die nur ganz wenige Menschen in ihrem Leben machen", bilanzierte Steinbrück.

Ob die SPD-Mitglieder einer Großen Koalition zustimmen werden, sieht er skeptisch. "Meine Wahrnehmung ist, dass dieses Mitgliedervotum kein Selbstgänger ist. Der Fisch ist noch nicht gebürstet", sagte Steinbrück.

Dennoch appellierte er an die SPD-Genossen, ein Bündnis mit der Union mit möglichst breiter Mehrheit zu unterstützen: "Wir haben frühzeitig gesagt, dass wir dieses Votum akzeptieren, wie immer es ausgeht", sagte Steinbrück. Auch wenn es 52 zu 48 ausgehe, werde die SPD die Entscheidung ihrer Mitglieder akzeptieren müssen. "Natürlich ist uns allen klar, dass ein so knappes Ergebnis für die Gesamtlage der SPD ein ziemlicher Brocken im Rucksack wäre."

syd

insgesamt 223 Beiträge
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dr.d.magoge 20.11.2013
1. Eine Runde Mitleid...
Ach Peer... bist du erst seit gestern in der Politik? Das aus Mücken Elefanten gemacht werden ist ja was ganz neues.
FocusTurnier 20.11.2013
2. Was denn, Herr Steinbrück?
Gab es nicht genügend ProQuote-Journalismus, der der SPD geholfen hat?
noltemarcus 20.11.2013
3. Schade
Steinbrück wäre ein herausragender Kanzler geworden, aber so bald man Ecken und Kanten zeigt wollen die Schäfchen wieder zu Mutti
fatherted98 20.11.2013
4. so so...
...wird er nicht so schnell vergessen...glücklicherweise ist Herr Steinbrück schon fast vergessen...insofern...egal was der jetzt von sich gibt.
spon-facebook-10000084939 20.11.2013
5. optional
"mit dem Höhepunkt, dass zwei Zeitungen mich drei Wochen vor der Wahl in die Nähe der Stasi und des KGB ziehen wollten. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Mein lieber Scholli!", sagte Steinbrück. Die "Welt am Sonntag" hatte im August über mögliche Kontakte Steinbrücks zur DDR-Staatssicherheit berichtet" und welche ist die andere zeitung?
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