Kanzlerkandidat in der ARD-"Wahlarena" Steinbrück gibt den Kümmerer

Pflege, Steuern, Mindestlohn - in der ARD-Sendung "Wahlarena" standen soziale Themen im Zentrum. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sich von der Bundesregierung abgegrenzt und konnte im Fernduell mit Kanzlerin Merkel punkten. Das Publikum hielt sich mit bissigen Nachfragen zurück.

Kanzlerkandidat Steinbrück: Der SPD-Kandidat verteidigt seine Steuerpläne
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Kanzlerkandidat Steinbrück: Der SPD-Kandidat verteidigt seine Steuerpläne


Mönchengladbach - Es war ein gelungener Fernsehauftritt für den SPD-Kanzlerkandidaten. In der ARD-Sendung "Wahlarena" stellte sich Peer Steinbrück am Mittwochabend den Fragen von Bürgern. (Lesen Sie den Verlauf der Sendung hier im Minutenprotokoll nach)

Die potentiellen Wähler sparten mit harten Nachfragen und ermöglichten es dem SPD-Politiker, die Kernthemen der Sozialdemokraten zu setzen - gesetzlicher Mindestlohn, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Kampf gegen befristete Arbeitsverhältnisse. So ließe sich auch die Altersarmut besser bekämpfen, sagte Steinbrück.

Der SPD-Kanzlerkandidat verteidigte die geplanten Steuererhöhungen für Besserverdienende. Für Investitionen in Bildung, Kommunen, Infrastruktur sowie den Abbau der Staatschulden seien die Mehrbelastungen erforderlich. Die Unternehmenssteuer wolle er nicht erhöhen, versicherte Steinbrück.

Steinbrück will mehr Investitionen in Pflege

Der Merkel-Herausforderer sagte im Falle eines Wahlsiegs eine Überarbeitung des Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG) zu. Ein weiterer Anstieg der Strompreise müsse verhindert werden. Das sei auch "weitgehender Konsens mit den Grünen", so Steinbrück.

Der SPD-Politiker verteidigte seine Pläne für die Gesundheitspolitik. "Mit einer Bürgerversicherung ist keine Verstaatlichung des Gesundheitssystems verbunden," sagte Steinbrück, nachdem ihm ein Arzt unter den Studiogästen genau dies vorgeworfen hatte.

Auch beim Thema Pflege sieht Steinbrück großen Reformbedarf. "Wenn wir nichts tun, gehen wir in einen Pflegenotstand hinein", sagte der Kanzlerkandidat. "Wir werden den Pflegeversicherungsbeitragssatz um 0,5 Prozent erhöhen müssen." Auch Kanzlerin Merkel geht davon aus, dass die Kosten im Pflegebereich in den nächsten Jahren steigen werden. Die Amtsinhaberin hatte sich am Montag in der "Wahlarena" gestellt.

Man brauche in den nächsten Jahren 125.000 bis 130.000 neue Pfleger, sagte Steinbrück. Dafür müsse man die Bezahlung verbessern. Es könne es nicht sein, dass Pfleger für ihre Ausbildung selbst bezahlen müssten. Zudem müsse der Pflegebedürftigkeitsbegriff auf Demenzkranke erweitert werden.

Für den Fall, dass er seine Zusagen bei einem Wahlsieg nicht einlösen sollte, versprach er, einem Zuschauer aus Bayern ein paar Bier zu zapfen. Seinen Ehering könne er nicht hergeben, sagte Steinbrück. Das gäbe Ärger mit seiner Frau.

syd/dpa

insgesamt 141 Beiträge
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coachalex74 11.09.2013
1. Steinbrück
Sollte unser Land von Innen heraus umkrempeln Frau Merkel von außen uns darstellen!!
lage:egal 11.09.2013
2. der kann es...
Das war ein überzeugender und ehrlicher Auftritt von Herrn Steinbrück. Ich denke er ist durchaus der richtige Mann für den Posten. Hoffentlich sehen das in den nächsten zwei Wochen immer mehr Wahlberechtigte.
dorfeller 11.09.2013
3. positiv überrascht
nachdem der Wahlkampf mehr als schlecht angelaufen ist, hat sich Herr steinbrück wirklich gut gemacht und selbst wenn er als mensch vielleicht nicht jeden sympathisch ist, so ist das was er gesagt hat wirklich wichtig für Deutschland. Mich hat er überzeugt und meine stimme gehört ihm!
mps58 11.09.2013
4. Kuschelpublikum
Das Publikum wollte nur kuscheln, selbst die Kritiker hakten nicht nach, selbst wenn Steinbrück nicht antwortete sondern nur sein Wahlprogramm nachbetete. Es bleibt weiterhin unklar was Steinbrück genau für die Bildung tun will. Das ist ein undefinierter Brei aus mehr Kitas und unverbindlicher Schönrednerei. Fakt ist, dass die rot-grünen Regierungen in den Ländern eher an der Bildung sparen, als sie zu fördern.
MrBrutus 11.09.2013
5. Ganz schwach!
Zuerst Fragen von Leuten, die Angst vor Geisterfahrern auf der Autobahn und vor der Klimakatastrophe haben und dann bei den "Fragen von Welt" nur pauschale Antworten und anschließend keine kritischen Rückfragen. Der Grieche braucht einen Wirtschaftsanreiz ähnlich dem Marshall-Plan. Schön und gut, aber sollte dieser nicht auch Korruption, Steuerhinterziehung und zu großen Staatsapparat erst mal ernsthaft angehen? Oder die Floskel, dass kein Kind zurückgelassen wird. Keiner fragt aber mal zurück, was ist, wenn das Kind gar nicht will (Stichwort Hauptschulabbrecher) ? Dann war es mit einem mal zu Ende und man kann gar nicht glauben, dass das alles gewesen sein soll?!? Von dem Rumgelaufe ganz zu schweigen, das war so künstlich, das hat ihm wohl der "Personal Coach" geraten ;-)
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