Merkels DDR-Vergangenheit Steinbrück wehrt sich gegen Diffamierungsvorwürfe

Der SPD-Kanzlerkandidat kann die Aufregung um seine Äußerungen über Angela Merkel nicht nachvollziehen. Peer Steinbrück hatte am Wochenende gesagt, es fehle der Kanzlerin wegen ihrer Vergangenheit an Leidenschaft für Europa. Nun wirft er der CDU vor, sich künstlich über seine Worte zu erregen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: "Merkel verspielt das Erbe von Helmut Kohl"
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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: "Merkel verspielt das Erbe von Helmut Kohl"


Berlin - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück weist Vorwürfe zurück, er habe Kanzlerin Angela Merkel wegen ihrer DDR-Vergangenheit diffamieren wollen. Man solle wegen seiner Äußerungen über Merkels Vergangenheit "bitte nicht wieder in künstliche Erregungszustände verfallen", sagte Steinbrück am Dienstag in Frankfurt.

Steinbrück hatte am Sonntag in einer Diskussionsveranstaltung des Berliner "Tagesspiegels" kritisiert, der CDU-Chefin fehle es unter anderem wegen ihrer DDR-Herkunft an Leidenschaft für die Europapolitik. Der SPD-Kanzlerkandidat war auf eine Äußerung von 2011 angesprochen worden, in der er Merkels Europapolitik mit ihrer DDR-Herkunft in Zusammenhang brachte.

"Ich halte daran fest: Die Tatsache, dass sie jedenfalls bis 1989/1990 eine ganz andere persönliche und politische Sozialisation erlebt hat als die, die diese europäische Integration seit Anfang der fünfziger Jahre erlebt haben, beginnend mit den Montanverträgen, das spielt in meinen Augen schon eine Rolle", hatte Steinbrück am Sonntag gesagt. Er fügte aber auch hinzu: "Das will ich nicht missverstanden haben als Vorwurf, denn sie konnte sich ja nicht aussuchen, ob sie auf der östlichen oder westlichen Seite Deutschlands und Europas aufgewachsen ist."

Heftige Kritik von Konservativen und Linken

Daraufhin war Steinbrück von einer ungewöhnlichen Koalition aus CDU und Linken kritisiert worden. "Der SPD und dem Kanzlerkandidaten fällt scheinbar nichts mehr anderes ein als die Diffamierung ihrer Kontrahenten", sagte CDU-Fraktionschef Volker Kauder der "Rheinischen Post". Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sagte dem "Tagesspiegel": "Peer Steinbrück zeigt einmal mehr, dass er nicht nur die Bundeskanzlerin, sondern die Menschen in den neuen Ländern und ihre Geschichte nicht richtig kennt".

Noch deutlicher wurde Linken-Chef Bernd Riexinger: "Das ist eine bodenlose Unverschämtheit", wetterte er. "Das ist die schlimmste Entgleisung gegen Ostdeutsche seit Jahren."

Am Dienstag bekräftigte Steinbrück seine Kritik an der Europapolitik der Kanzlerin: "Frau Merkel ist dabei, das europapolitische Erbe von Helmut Kohl zu verspielen", sagte der Herausforderer.

insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
RobinB 06.08.2013
1.
"Diffamierungsvorwürfe" ist ein Spitzenwort :)
gekreuzigt 06.08.2013
2. Steinbrück fehlt es an Intelligenz.
Muss wohl an seiner Herkunft liegen. Offenbar in einem Inkompetenzteam groß geworden.
bristolbay 06.08.2013
3. Perfekte Strategie
Zitat von sysopDPADer SPD-Kanzlerkandidat kann die Aufregung um seine Äußerungen über Angela Merkel nicht nachvollziehen. Peer Steinbrück hatte am Wochenende gesagt, es fehle der Kanzlerin wegen ihrer Vergangenheit an Leidenschaft für Europa. Nun wirft er der CDU vor, sich künstlich über seine Worte zu erregen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-spd-will-angela-merkel-cdu-nicht-diffamiert-haben-a-915141.html
mit Hilfe der Springer und Mohn-Presse werden "Kleinigkeiten" zu einem Elefanten aufgepuscht, Hauptsache von den Fehler der schwarz-gelden Nichtskönner abzulenken. Und es wird klappen, jeden Tag eine neue oder aber auch alte Sau durchs Dorf jagen. Gestern Veggy-Day, heute Merkels DDR Herkunft. Wo bleiben die Kommentare zu viel wichtigeren Punkten, wie z.B. die Ausbeutung durch die Ausnutzung von Werksverträgen und von Zeitarbeit. Viel Gelaber um von den Mißständen dieser Regierung abzulenken. Merkels Strategie des Einlullens läuft auf vollen Touren.
togral 06.08.2013
4. optional
Ich habe schon den Eindruck das Merkel für ein paar Stimmen im Inland ganz Europa in Flammen aufgehen lassen würde... was sie ja auch beinahe geschafft hat. Führen heißt nicht, das man dauernd zu allem nein sagt. Man muss sagen wo die Reise hingehen soll. Doch da passiert garnichts. Wo sind die Gipfel wo man weiter am Europäischen Haus baut? Wo sind die Beschlüsse mit denen man die Banker zur Verantwortung zieht? Wo sind die Konsequenzen aus der Finanzkrise? Stattdessen bemühen sich Bild und CDU nach Kräften darum alles auf faule Griechen und unfähige Spanier und Italiener zu schieben. An die Angelsachsen lassen die ja nichts kommen. Diese Regierungschefin tötet Europa. Und das Volk jubelt ihr von den Stammtischen aus zu und die Amerikaner freuen sich das sie weiter mit den Europäern anstellen können was sie wollen.
fleurdesel 06.08.2013
5. Fakten...
als Diffamierung auszulegen, das kann nur Kauder und Gleichgesinnten gelingen. Merkel wuchs in einem Anti-Europäischem System auf. Woher soll also die Leidenschaft für Europa kommen, wenn alle Länder kapitalistische Feinde waren? Das Steinbrück-bashing ödet langsam an, Freunde! Bleibt mal sachlich.
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