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Erfurt: Aufmarsch gegen die "Amerikanisierung des Abendlandes"

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Pegada in Erfurt Hunderte demonstrieren gegen "Amerikanisierung des Abendlandes"

Es war die erste Demonstration der selbst ernannten "Patriotischen Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes": Rund tausend Pegada-Anhänger sind in Erfurt auf 600 Gegner getroffen. Es kam zu Pfeifkonzerten und Gerangel.

Erfurt - In Erfurt sind rund tausend Menschen unter dem Motto "Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes" (Pegada) auf die Straße gegangen. Auf Spruchbändern warnten sie vor den USA als "Terrormacht", einem Bruch mit Russland und einem dritten Weltkrieg. Es war der erste Aufmarsch von Pegada-Anhängern.

Auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof trafen sie auf rund 600 Gegendemonstranten. "Wir können nicht auseinanderhalten, wer Gegner, wer Befürworter ist", hatte ein Polizeisprecher zum Auftakt der Demo gesagt. Nach hitzig geführten Debatten zwischen beiden Seiten kam es zu Gerangel.

Pfeifkonzerte unterbrachen immer wieder die Versuche von Pegada-Rednern, sich Gehör zu verschaffen. Zudem zwangen Sitzblockaden von Antifa-Gruppen die Pegada-Anhänger, ihre ursprünglich geplante Marschroute durch die Innenstadt zum Domplatz aufzugeben. In weitem Bogen mussten sie mit Polizeieskorte zum Bahnhof zurückkehren, um dort ihre Kundgebung abzuhalten. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die Gruppe nach der Demo: "Dieser Tag in Erfurt war der Beginn von etwas unglaublich großem!"

Nach Ansicht von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und antifaschistischen Gruppen steckt hinter Pegada ein "kruder Zusammenschluss" von Verschwörungstheoretikern, Neonazis und gewaltbereiten Hooligans. Pegada ist kein offizieller Ableger der Dresdner Pegida ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes"). Der ähnliche Name sei aber bewusst gewählt worden.

Pegida-Anhänger hatten sich am Freitagabend zu einer Diskussionsveranstaltung in Dresden getroffen - an der überraschend auch SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel teilnahm. "Ich finde, mit den Menschen müssen wir besser in Kontakt kommen", sagte der Wirtschaftsminister, der seine Teilnahme als rein privat deklarierte. "Reden ist das Einzige, was man in der Demokratie machen kann."

aar/dpa