Bundespräsident zu Flüchtlingen Gauck wünscht sich weniger Beachtung für Pegida

Sorgen ernst nehmen, Scharfmacher nicht beachten: Für diesen Umgang mit der Anti-Islam-Bewegung Pegida und ähnlichen Gruppen plädiert Bundespräsident Gauck. Den Anschlag auf Flüchtlingsunterkünfte in Bayern verurteilte er scharf.
Präsidenten-Paar mit Flüchtlingen: Gauck lobt ermutigende Beispiele

Präsidenten-Paar mit Flüchtlingen: Gauck lobt ermutigende Beispiele

Foto: Ronny Hartmann/ Getty Images

Hamburg/Magdeburg - Bundespräsident Joachim Gauck will positive Beispiele im Umgang mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen stärker in den Vordergrund stellen. "Wir brauchen ermutigende Beispiele gegenüber einer Kultur der Angstmache", sagte er beim Besuch eines Flüchtlingshilfevereins in Magdeburg.

In der Debatte um fremdenfeindliche Bewegungen wie Pegida machte er klar: "Chaoten und Strömungen, die wenig hilfreich sind" sollten weniger Beachtung finden. Gauck sagte weiter: "Wir brauchen natürlich auch eine Debatte darüber, wie viele Menschen kann dieses Land aufnehmen, wie werden die Flüchtlinge gerecht aufgeteilt in verschiedenen Ländern Europas."

Zum mutmaßlichen Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkünftein Franken sagte Gauck: "Wir können nur mit aller Entschlossenheit der anständigen Menschen reagieren", sagte er. "Wir werden uns nicht von Brandstiftern jeder Couleur in Angststrategien jagen lassen, sondern es wird unsere Entschlossenheit fördern, eine Politik zu gestalten, die auf unseren humanen Werten beruht."

Das Staatsoberhaupt und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt sprachen mit jungen Flüchtlingen etwa aus Syrien, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind, sowie mit Mitarbeitern des Vereins. "Deshalb bin ich heute auch hier: Um zu zeigen, wir haben im Osten Leute, die sich engagieren, und nicht nur solche, die negative Schlagzeilen machen", sagte Gauck.

Der Bundespräsident hatte schon in der Vergangenheit mehrere Einrichtungen besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Dabei äußerte er sich zur Flüchtlingspolitik und forderte unter anderem mehr Engagement von Deutschland und der EU - zum Unmut der Bundesregierung, insbesondere des Innenministeriums.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte am Donnerstag in den ARD-"Tagesthemen" darauf gepocht, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen, die sich zunehmend als Fremde im eigenen Land fühlten. Die Äußerungen des Ministers wurden teilweise sehr kritisch von Politikern der Grünen und der Linkspartei aufgenommen.

Innenminister warnen für Islam- und Ausländerfeindlichkeit

Angesichts des Zulaufs für die Anti-Islam-Bewegung Pegida warnen die Innenminister von Bund und Ländern vor zunehmender islam- und ausländerfeindlicher Hetze. "Wir spüren schon, dass das gesellschaftliche Klima in Deutschland rauer wird", sagte de Maizière zum Abschluss der Innenminister-Herbsttagung in Köln. Zuvor hatten die Innenminister um ihre Position gerungen.

Viele Menschen seien in Sorge, und Pegida missbrauche das, so die Botschaft der Minister. Fakt sei laut de Maizière: "Es droht keine Islamisierung der ganzen deutschen Gesellschaft." Die allermeisten Muslime seien integriert.

Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Die Bewegung hat ihren Ursprung in Dresden. An ihrer wöchentlichen Demonstration für eine strengere Asylpolitik hatten sich am Montag rund 10.000 Menschen beteiligt, so viele wie noch nie.

isa/flo/dpa
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