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20. Januar 2015, 18:10 Uhr

Pegida-Organisator

Guter Bachmann, böser Bachmann

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Wir haben nichts gegen Ausländer - diese Botschaft verbreitet Pegida in diesen Tagen fleißig. Warum klingen die Facebook-Einträge ihrer Organisatoren dann so rassistisch?

Hamburg - Sein Trauzeuge ist Türke, einige seiner besten Freunde sind Muslime. Lutz Bachmann, der Organisator von Pegida, redet zwar ungern mit der Presse. Doch diese Details kennt man, weil er kaum eine Gelegenheit auslässt, sie zu erwähnen.

Bachmann bemüht sich in diesen Tagen vor allem um eines: Er will deutlich machen, dass die Protestbewegung, die er ins Leben gerufen hat, nichts gegen Ausländer habe und erst recht nichts gegen Muslime. Auf der ersten Pegida-Pressekonferenz am Montag sagte er ganz entspannt: "Ich habe nicht die Wahrnehmung, dass Fremdenfeinde dabei sind."

Blöd nur, dass jetzt wieder ein Eintrag herumgeht, den Bachmann auf Facebook geschrieben haben soll: Darin wettert er gegen "Dreckspack", "Viehzeug" und "Gelumpe". Außerdem wird dort festgestellt, dass es gar "KEINE ECHTEN KRIEGSFLÜCHTLINGE" gebe: "Wer sich die Überfahrt/Transport leisten kann nach Europa gehört NACHWEISLICH nicht zu den wirklich Bedrohten!"

Wie ausländerfeindlich sind Bachmann und seine Bewegung Pegida? Die Frage ist nicht neu, erhält in diesen Tagen aber noch einmal Auftrieb: Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" drängen jetzt als harmlose Bewegung in die Öffentlichkeit und fordern einen "Dialog mit der Politik". Während die Parteien rätseln, wie sie darauf eingehen sollen, erlauben Bachmanns mutmaßliche Äußerungen einen Einblick in das, was Pegida womöglich wirklich umtreibt.

Facebook-Einträge wie dieser passen schlecht zur Inszenierung der neuen Harmlosigkeit. Jener Post stammt aus einer geschlossenen Unterhaltung im September 2014, einen Monat vor dem ersten Pegida-Marsch. Er wurde vom Twitteraccount @AnonNewsDE, veröffentlicht, der seit Langem Positionen des Hackerkollektivs Anonymous vertritt. Der Account berichtete kürzlich von einer Hackeraktion gegen Pegida.

Der "Dreckspack"-Post wirkt authentisch, er zeigt etwa Bachmanns tatsächliches Profilbild. Ob Bachmann ihn tatsächlich geschrieben hat, ist aber nicht bestätigt. Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE ließ Pegida unbeantwortet. Die Dresdener Staatsanwaltschaft teilte mit, der Tatbestand der Volksverhetzung könnte erfüllt sein.

Die "Dresdner Morgenpost" entdeckte zudem ein Foto, auf dem der 41-Jährige offenbar im Adolf-Hitler-Look posiert. Kurz darauf sperrte Bachmann seinen privaten Facebook-Account am Dienstagnachmittag für die Öffentlichkeit.

Facebook ist in jedem Fall wichtig für die Pegida-Organisatoren. Dort haben sie binnen Wochen mehr als 150.000 Fans versammelt. Und dort verkünden sie Neuigkeiten wie den Ausfall der Kundgebung am Montag zuerst, bevor sie an die Presse gehen. Auch der Vereinsvorsitzende Bachmann ist viel auf Facebook unterwegs. Man erfährt seinen Hochzeitstag, sieht ihn mit Braut und am Flughafen posieren, auch der türkische Trauzeuge findet natürlich Erwähnung.

Dazwischen gibt es auch immer wieder hetzerische Posts. Über die Grünen schrieb er im September 2013: "VOLLSPINNER! Gehören standrechtlich erschossen diese Öko-Terroristen!... allen voran Claudia Fatima Roth!"

Zum EM-Qualifikationsspiel Polen-Deutschland im Oktober schrieb er in Anspielung auf den Angriff Hitler-Deutschlands 1939: "Auf geht's... Ab 20:45 wird zurückgeschossen."

Fun, Fun, Fun und etwas Hetze. Bachmann ist damit nicht allein. Auch weitere Pegida-Organisatoren, die sich öffentlich brav geben, schreiben sich bei Facebook rassistische Parolen. Siegfried Däbritz etwa nannte Muslime etwa "mohammedanische Kamelwämser" oder "Schluchtenscheißer". Der SPIEGEL hat kürzlich ausführlich darüber berichtet.

Jetzt, da Pegida den Schritt von der Straße in die Medien wagt, beißen sich solche Einträge wohl mit Bachmanns oberster Mission, Pegida einen neuen Anstrich zu verpassen.

Als bei der Pressekonferenz am Montag die Frage nach islamfeindlichen Plakaten bei Pegida-Demos aufkam, flüsterte Bachmann Co-Organisatorin Katrin Oertel zu: "Mach ich." Er wollte antworten. Man habe sich mehrfach von so etwas distanziert, behauptete er. Ihn verwundere vielmehr, dass wenn solch ein Plakat hochgehalten werde, "immer gleich ein Medienvertreter da ist".

Als ein Journalist betonte, viele Ausländer in Dresden hätten wegen der Protestbewegung Angst, pustete Bachmann kurz Luft aus der Nase. Er könne das "überhaupt nicht nachvollziehen", dass Ausländer Angst vor Pegida hätten.

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