Rechtsextremisten in Dresden Das Pegida-Dilemma der NPD

Regelmäßig marschieren NPD-Funktionäre bei den Pegida-Protesten mit. Doch die Bewegung in Dresden stellt die Rechtsextremisten vor ein Dilemma - sie suchen panisch Anschluss, können aber keine Flagge zeigen.
Pegida-Teilnehmer in Dresden: Plumpe Verbrüderungsversuche

Pegida-Teilnehmer in Dresden: Plumpe Verbrüderungsversuche

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ REUTERS

Hamburg/Dresden - Ein "großes Weihnachtsliedersingen" hat Wortführer Lutz Bachmann für die zehnte Pegida-Kundgebung angekündigt. In der Dresdner Innenstadt werden am Montagabend wohl Tausende nicht nur wieder "Wir sind das Volk", sondern auch "Stille Nacht, heilige Nacht" und "O du fröhliche" anstimmen.

Pegida gibt sich weihnachtlich - unter die Frust-Protest-Singer werden sich am Abend auch erneut etliche NPD-Funktionäre mischen. Unter anderem hat sich Frank Franz angesagt, der neue Chef der rechtsextremen Partei. Bereits in den vergangenen Wochen hatten er und andere Spitzenkader der NPD an den Protesten in der sächsischen Hauptstadt teilgenommen - und dies fleißig mit Fotos und Jubel-Posts auf Facebook dokumentiert.

In einem Eintrag lobt der Vizevorsitzende Ronny Zasowk zum Beispiel die "schwarz-rot-goldene Gänsehaut-Atmosphäre". In einem anderem macht der Vorsitzende Franz Stimmung gegen die Medien, nachdem ein RTL-Journalist sich bei der letzten Pegida-Demonstration als Anhänger der "patriotischen Europäer" ausgegeben und sich in einem Interview mit der ARD rassistisch geäußert hatte. Eine willkommene Vorlage für die Pegiden, die die Medien "als Lügner" bezeichnen und Parolen wie "Lügenpresse, halt die Fresse" brüllen.

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All diese NPD-Aktivitäten können nicht darüber hinwegtäuschen, wie ratlos die Rechtsextremisten angesichts der Entwicklung in Dresden sind. 15.000 Menschen - von so vielen Teilnehmern kann die NPD selbst in ihrer Hochburg Sachsen nur träumen. Tausende gehen auf die Straße, um ihre Wut und ihren Frust über eine angebliche Islamisierung Deutschlands, über angeblich kriminelle Ausländer und Asylbewerber kundzutun (Lesen Sie hier die Reportage vom letzten Montag).

Klassische NPD-Themen also. Die Rechtsextremisten sind allerdings - anders als in Schneeberg vergangenes Jahr - nur Zaungäste. Andere lenken in Dresden: Bachmann und sein Organisationsteam sind die Macher dieser rechten Bürgergesellschaft, die Woche um Woche größer geworden ist (Lesen Sie hier den Faktencheck). Da mag der NPD-Vorsitzende Franz noch so viele plumpe Verbrüderungsversuche auf Facebook posten - so schreibt er an die "lieben Montagsdemonstranten": "Und wer es immer noch nicht verstanden hat. Ihr seid für die Berliner Polit- und Medienkaste alle Rechtsextreme. Da könnt ihr Euch Distanzieren bis der Arzt kommt." (Anm. d. Redaktion - Originalzitat)

"Einfach nur noch die 'Loser'"

Dass solche Ansprachen bisher kaum verfangen, zeigt sich auch daran, dass es vielen Pegida-Teilnehmern schlicht egal ist, dass sich NPD-Leute und andere Rechtspopulisten wie der Islamhasser Michael Stürzenberger von der Partei Die Freiheit mit ihnen versammeln. Die meisten Demonstranten sind der Parteien - egal welcher - überdrüssig, auch der rechten. Der bei den Rechtsextremisten beliebte Ruf "Frei, sozial und national" war bisher wenn nur vereinzelt in der sächsischen Stadt zu hören.

Die NPD steckt in einem Dilemma: Sie kann in Dresden nicht wirklich Flagge zeigen. Denn sonst müssten Bachmann und seine Leute sehr deutlich von der rechtsextremistischen Partei Abstand nehmen. Angesichts der Erfolge der AfD will die NPD um keinen Preis den Anschluss an die Mitte der Gesellschaft verlieren. Bisher hat sich der Pegida-Wortführer nicht explizit von der NPD distanziert, er sprach in einem Interview nur allgemein "von allen radikalen Kräften und Vereinigungen". Und dabei soll es nach dem Willen der NPD-Funktionäre bleiben - deshalb heißt ihr Kurs: abwarten und beobachten.

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Pegida-Aufmarsch: 15.000 gegen den Islam

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ REUTERS

Doch das reicht vielen Anhängern nicht, sie verlangen eine klare Strategie. So fordert der neugewählte Chef der NPD-Jugendorganisation JN, Sebastian Richter, Antworten von der Parteiführung, "um den höchstmöglichen Nutzen" aus den Pegida-Protesten "abzuleiten". Aus der Bürgerbewegung müsse "eine volkstreue Massenbewegung mit der NPD an der Spitze werden", schreibt Richter in einer Stellungnahme, über das Wie schweigt er sich lieber aus.

Der Jung-Rechtsextremist teilt lieber kräftig aus: "Doch derzeit stehen wir uns in erster Linie noch selbst im Weg." Die jüngsten Skandale würden die "Bewegung als lächerlichen Haufen dastehen" lassen. Sein Fazit: "Früher waren wir die Bösen, Gewaltbereiten oder auch Dummen. Heute sind wir einfach nur noch die 'Loser', die Verlierer, die Frauenschläger und die sexuell Desorientierten."

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