Umfrage Mehrheit der AfD-Anhänger hält Pegida-Demos für gerechtfertigt

Montag für Montag gehen Tausende Pegida-Anhänger gegen eine angebliche Islamisierung Deutschlands auf die Straße. Einer aktuellen Umfrage zufolge unterstützen 29 Prozent der Befragten die Proteste - insbesondere AfD-Sympathisanten.
Pegida-Anhänger in Dresden: 13 Prozent aller Befragten würden sich gegebenenfalls an Protestmärschen beteiligen

Pegida-Anhänger in Dresden: 13 Prozent aller Befragten würden sich gegebenenfalls an Protestmärschen beteiligen

Foto: AP/dpa

Hamburg/Berlin - Für den kommenden Montag haben die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", kurz Pegida, erneut zu einer Kundgebung unter anderem in Dresden aufgerufen. Dann wollen sie wieder gegen die angebliche Überfremdung und Islamisierung Deutschlands protestieren.

Laut einer aktuellen Umfrage für den "Stern"  unterstützen 29 Prozent der Befragten die Protestmärsche. Sie sind der Meinung, der Islam habe auf das Leben in diesem Land einen so großen Einfluss, dass Kundgebungen wie die Pegida-Montagsdemos gerechtfertigt seien.

Vor allem Sympathisanten der Alternative für Deutschland, AfD, teilen diese Auffassung: Nach der Erhebung der Forsa-Meinungsforscher für das Magazin sind es 71 Prozent. Forsa-Chef Manfred Güllner sagte: "Dieser Befund bestätigt einmal mehr, dass die Anhänger der AfD keinesfalls die Mitte der Gesellschaft repräsentieren, sondern eine Randgruppe mit klarer fremdenfeindlicher Tendenz sind."

Die Mehrheit der Bundesbürger, nämlich 67 Prozent, findet, dass die Gefahr einer Islamisierung Deutschlands übertrieben dargestellt werde.

Die weiteren Ergebnisse der Umfrage im Überblick:

  • 13 Prozent aller Befragten würden sich gegebenenfalls an Protestmärschen gegen eine Islamisierung Deutschlands beteiligen, wenn sie in der Nähe ihres Wohnorts stattfänden.

  • Die größte Bereitschaft, an solchen Demonstrationen teilzunehmen, findet sich unter den AfD-Anhängern mit 45 Prozent und den Linken-Sympathisanten mit 26 Prozent.

  • Von den Nichtwählern würden nur 13 Prozent mitmarschieren, das entspricht dem Durchschnitt aller Bundesbürger.

Nur zehn Prozent aller Deutschen würden bei einer der kommenden Wahlen für eine Partei stimmen, die den Islam in diesem Land bekämpft: In Ostdeutschland sind es mit 15 Prozent mehr als in Westdeutschland (9 Prozent). Auch Befragte mit Hauptschulabschluss (19 Prozent) und die Anhänger der Linken (16 Prozent) können sich das vorstellen. Lediglich von den AfD-Sympathisanten würde eine Mehrheit von 57 Prozent eine Anti-Islam-Partei wählen wollen.

AfD-Vorsitzender Lucke attackiert Merkel

Am Donnerstag griff AfD-Chef Bernd Lucke Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf wegen ihrer Pegida-Kritik an. "Frau Merkel stempelt die Menschen als fremdenfeindlich ab, ohne ihnen Gehör schenken zu wollen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" . "Zuzuhören ist die Pflicht der Bundeskanzlerin." Lucke betonte, für Fremdenfeindlichkeit sei kein Platz in Deutschland. "Aber damit diese nicht entsteht, müssen Integrationsprobleme sachlich und konstruktiv diskutiert werden können."

Bereits am Mittwoch hatte Luckes Vize, Alexander Gauland, Pegida gegen die Kritik von Merkel verteidigt. "Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt", sagte er. Die Kritik der Kanzlerin an den Kundgebungen werde der Protestbewegung noch mehr Zulauf als bisher bescheren, so der AfD-Politiker, der Mitte Dezember nach Dresden zu Pegida gereist war. Lucke sagte, er teile die Aussagen Gaulands "vollkommen".

Merkel hatte in der Neujahrsansprache für ihre Verhältnisse ungewöhnlich deutlich vor "Hass und Kälte" bei vielen Teilnehmern der Demo gewarnt. Sie sagte über Pegida, ohne den Namen der Bewegung ausdrücklich zu nennen: "Heute rufen manche montags wieder 'Wir sind das Volk'. Aber tatsächlich meinen sie: Ihr gehört nicht dazu - wegen eurer Hautfarbe oder eurer Religion." (Hier der Wortlaut als PDF-Dokument)

Für ihre Rede bekam Merkel Unterstützung von der Opposition. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, verteidigte die Kanzlerin gegen die Kritik Gaulands. Er sagte, mit seinem Angriff auf Merkel habe der AfD-Vizechef "seine Maske fallen lassen und das wahre Gesicht der AfD offenbart". Unter den Pegida-Demonstranten seien Holocaust-Verharmloser, obskure Persönlichkeiten und Kader rechtsextremer Gruppen.

Grünen-Chefin Peter: "CSU macht Pegida stark"

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter machte die CSU für das Erstarken der Pegida-Bewegung mitverantwortlich. "Gerade die CSU ist die Partei, die immer wieder Ressentiments gegen Zuwanderung schürt", sagte sie der "Welt". Wer mit Begriffen wie "Sozialschmarotzer" über Minderheiten rede und am Küchentisch die Muttersprache verbieten wolle, dürfe sich hinterher nicht darüber wundern, wenn Parteien und Gruppen am rechten Rand Zulauf erhielten. "Die CSU hat die AfD stark gemacht und macht nun Pegida stark", sagte Peter.

Bayerns Landesregierung hatte zuvor angekündigt, strenger gegen abgelehnte Asylbewerber vorzugehen. "Mein Ziel ist, die Rückführung deutlich zu verstärken", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem "Münchner Merkur". Das verschärfte Vorgehen des Innenministeriums solle als Zeichen der Entschlossenheit gedeutet werden: "Je stärker der Vollzug ist, desto mehr abgelehnte Asylbewerber gehen auch freiwillig."


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Das Forsa-Institut befragte 1006 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden.

Zeitraum: 18. Dezember 2014

Fehlertoleranz: Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.

heb
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.