Stefan Kuzmany

Kommentar zu Pegida mit Wilders Das große Comeback

Pegida macht wieder von sich Reden: Heute Abend will ihr Anführer Lutz Bachmann den niederländischen Promi-Hetzer Geert Wilders in Dresden begrüßen. Damit positioniert er seine Organisation stramm rechts und vernetzt sie international. Mitläufer sind herzlich willkommen - wieder mal.
Pegida-Kundgebung in Dresden (am 6. April): Bewegung der Unzufriedenen

Pegida-Kundgebung in Dresden (am 6. April): Bewegung der Unzufriedenen

Foto: Jens Schlueter/ Getty Images

Die gibt's ja immer noch. Lange nichts gehört. Man hatte sich ja fast schon Sorgen um die Dresdner Fußläufigen machen müssen. Ende vergangenen Jahres schien da tief im Osten eine Bewegung der Unzufriedenen zu entstehen und aufzublühen. Jede Woche zogen mehr Menschen ihre Runden gegen Einwanderer (kriminelle), die Medien (lügende) sowie ganz allgemein gegen das System (da oben). Ganz große Aufregung, irrer Medien-Hype, dann das Übliche: Zerwürfnis an der Spitze, Aufspaltung, abflauendes Interesse.

Man kann Lutz Bachmann, der trotz krimineller Vergangenheit und obwohl er zwischenzeitlich noch erledigter schien als seine Organisation immer noch an der Spitze von Pegida steht, also nur gratulieren zu seiner Idee, den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders als Gastredner zu gewinnen. Der Islamhasser mit der auffälligen Frisur beschert Bachmann wieder die mediale Aufmerksamkeit, die ihm bereits abhandengekommen schien. 30.000 Mitläufer erwartet Pegida heute Abend auf einem umzäunten Gelände in Dresden. Zuletzt war es nur noch ein Zehntel davon gewesen, das sich auf die Socken gemacht hatte, um den offenbar unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlandes zu verhindern.

Bachmann und seine Sympathisanten werden sich also freuen, wenn heute Abend endlich mal wieder das ganze Land von ihnen spricht. Alle anderen machen sich Sorgen. Denn es scheint schlimmer zu werden mit Pegida. Konnte man, wie mancher Politiker zu Hochzeiten der Wut-Wandervögel, bei den früheren Ausflügen der Pegiden noch vorschieben, hier seien doch nur irgendwie besorgte und verängstigte Bürger unterwegs, denen man nur mal ordentlich zuhören müsse, um sie wieder für die parlamentarische Demokratie zu gewinnen, zeigt der heutige Montag einen nicht mehr zu verleugnenden Rechtsruck der Pegida und eine beginnende internationale Vernetzung mit anderen rechtspopulistischen Organisationen.

Die Einladung an Wilders war, wie man lesen kann, eine alte Idee Bachmanns, die jedoch in der Vergangenheit von seinen Co-Chef-Pegiden abgelehnt wurde. Jetzt sind die Gemäßigten weg - und Bachmann kann ganz offen rechtspopulistisch agieren. Auch die pegidische OB-Kandidatin für Dresden, eine Frau, die man nur mit viel gutem Willen für zurechnungsfähig halten kann (also: dem demokratischen Spektrum zugehörig), wenn sie etwa am Montag nach dem Brandanschlag auf das geplante Flüchtlingsheim in Tröglitz auf der Pegida-Bühne gegen Flüchtlinge hetzt, als sei sie direkt von der NPD geschickt worden und nicht etwa von der AfD übergewechselt, steht für den neuerdings klaren Kurs der Pegida: stramm nationalistisch und fremdenfeindlich, ohne Berührungsängste nach ganz rechts.

Im vergangenen Jahr habe es in Deutschland doppelt soviele Angriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte gegeben wie in den zwei vorigen Jahren zusammengenommen, sagte Karl Kopp, der Europareferent von Pro Asyl, dem Deutschlandfunk . Das hat sicherlich mit der Stimmung zu tun, die von Pegida geschürt wird: Manch ein Provinzrassist wird sich von der vermeintlichen Volksmasse legitimiert sehen, nicht mehr nur beim Bier zu schwadronieren, sondern höchstpersönlich gegen Ausländer zuzulangen. Tatsächlich gibt es aber hierzulande 2015 wohl nicht mehr Fremdenfeindlichkeit als vorher. Das ist aber nur eine bedingt gute Nachricht: Es gab vorher wohl auch nicht weniger. Es steht vielmehr zu befürchten, dass Fremdenfeindlichkeit stets zu Deutschland gehörte und gehört - nur zeigt sie sich mal vehement, dann wieder scheint sie zu ruhen.

Erst gestern wurde im Weimarer Nationaltheater der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald gedacht, die nun siebzig Jahre vergangen ist. Das scheint lange her zu sein, eine entfernte Vergangenheit, aber sie bleibt aktuell: Buchenwald und die anderen Lager konnte es nur geben, weil zu viele besorgte Bürger die Parolen von rassistischen Populisten so eingängig fanden, dass sie sie an die Macht brachten und ihnen halfen, ihre Parolen in die Tat umzusetzen. Nein, Nazis waren auch damals praktisch keine dabei, wie man so hört. Nur Mitläufer. Es gibt sie immer noch.