Protestmärsche Pegida-Anführer sind Polizei als kriminell bekannt

Anführer der Pegida werden nach SPIEGEL-Informationen in einer Polizeidatei geführt. Hunderte Anhänger gehören zu zwei Hooligangruppen, die Behörden als rechtsextrem einstufen.
Pegida-Marsch in Dresden: Anführer in Polizeidatei

Pegida-Marsch in Dresden: Anführer in Polizeidatei

Foto: Arno Burgi/ dpa

Hamburg - Die Initiatoren und einige Hundert Teilnehmer der Dresdner Pegida-Märsche sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden offenbar gewaltbereiter als bislang bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wird neben Versammlungsleiter Lutz Bachmann ein weiteres Mitglied der Führungsriege unter dem Stichwort "allgemeine Kriminalität (auch Gewaltdelikte)" in einer Polizeidatei geführt. Ein dritter Mitorganisator sei als Betrüger auffällig geworden. (Lesen Sie die ganze Geschichte hier im neuen SPIEGEL.)

Mehrere Tausend Menschen gehen Woche für Woche in Dresden auf die Straße. Die Demonstranten in der sächsischen Landeshauptstadt nennen sich selbst "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida). Sie sagen, sie fühlten sich fremd im eigenen Land.

Die Polizei hat bei den Pegida-Aufmärschen nach SPIEGEL-Informationen Mitglieder der als rechtsextrem eingestuften Hooligangruppen "Faust des Ostens" und "Hooligans Elbflorenz" ausgemacht. Rund 300 Demonstranten hätten Bezüge zur Fanszene des Fußballklubs Dynamo Dresden, 250 von ihnen seien "Problemfans". In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass viele von ihnen "offen gegenüber rechtsextremem Gedankengut" seien.

Offenbar besteht auch eine Verbindung zwischen der gewaltbereiten Organisation "Hooligans gegen Salafisten" und Pegida: Ein 42-Jähriger aus Meißen soll Organisator beider Protestbewegungen sein.

Der Konfliktforscher Andreas Zick warnte im SPIEGEL, populistische Eurogegner, Anti-Islam-Hetzer und demokratiemüde Bürger seien im Begriff, gemeinsam mit Rechtsextremisten und einem Teil der AfD eine "radikale Parallelgesellschaft" zu bilden. Zick ist Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld.

Schon jetzt verberge sich hinter den zahllosen Dagegen-Parolen bei den Pegida-Märschen eine verkappte Drohung, sagte Zick. Die Masse bereite eine "Rückkehr von völkischen Ideen" vor. "Die rufen zwar 'Wir sind das Volk'– sie könnten aber auch rufen: 'Wir sind die Völkischen.'"

ssu