Personaldebatte FDP diskutiert über Westerwelles Führungsstil

One-Man-Show oder schlagkräftige Führungsriege? Die FDP diskutiert über ihren eigenen Politikstil. Ex-Parteichef Gerhardt hatte in einem Thesenpapier die Rolle seines Nachfolgers Westerwelle in Frage gestellt - Baden-Württembergs Landeschefin Homburger widerspricht nun heftig.


Stuttgart/Berlin - Kurz vor ihrem traditionellen Dreikönigstreffen ist die Debatte um die Rolle von FDP-Parteichef Guido Westerwelle in vollem Gange. Als Reaktion auf die vom früheren Partei- und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt an Westerwelle geäußerte Kritik sagte Homburger heute in Stuttgart: "Bei uns gibt es keine One-Man-Show". Auf Bundesebene gebe es eine ganze Reihe von Führungskräften. Gerhardt, der zurzeit die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung leitet, fordert in einem Grundsatzpapier einen neuen Politikstil der Parteispitze, wie mehrere Zeitungen berichteten.

Darin appelliere Gerhardt an die Partei, die "liberalen Kernthemen wie Marktwirtschaft, Bildung, Außenpolitik, Bürgerrechte besser als bisher zu präsentieren und das Potenzial voll auszuschöpfen". Von Westerwelle forderte Gerhardt eine personelle Verbreiterung der Partei: "Man kann nicht als One-Man-Show kurz vor der Bundestagswahl Kaninchen aus dem Hut zaubern."

Homburger sagte zu Gerhardts Vorstoß, man freue sich über jeden, der sich innerhalb der FDP engagiere. In dessen Thesenpapier stehe aber "nichts Neues drin". Mit Gerhardt gebe es keine inhaltlichen Differenzen. Man habe aber genug Papiere bei der FDP, die Partei sei inhaltlich gut aufgestellt. Das Augenmerk solle der Bundestagswahl im Jahr 2009 gelten.

Homburger warb für ein Regierungsbündnis mit der Union in Berlin: "Wir wollen in Deutschland etwas bewegen." Gleichzeitig warnte Homburger vor einer frühzeitigen Koalitionsaussage zugunsten der CDU. Homburger sagte, die FDP stehe für einen "Kurs der wirtschaftlichen Vernunft". Die SPD rücke immer stärker nach links.

Die Chefin der baden-württembergischen FDP kritisierte aber auch die CDU, die ihren Kurs vor der letzten Bundestagswahl verlassen habe. Als Beispiel nannte sie die Reform der Erbschaftssteuer. "Ich denke, man kann die Marktkräfte innerhalb der CDU wieder stärken", sagte sie. Am Sonntag findet in Stuttgart das traditionelle Dreikönigstreffen statt. Zuvor treffen sich die Südwest-Liberalen zu einem Landesparteitag in Stuttgart.

ffr/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.